ARD-Krimi Berliner "Tatort": Ob sie ihm jemals vertrauen kann?

"Sie glauben mir immer noch nicht": Trotz aller Bemühungen kann Robert Karow seine Kollegin nicht von seiner Unschuld am Mord an Gregor Maihack überzeugen.

(Foto: rbb/Frédéric Batier)

In ihrem dritten Fall sind Kommissarin Rubin und ihr Kollege Karow immer noch weit davon entfernt, sich zu vertrauen. Immerhin duzen sie sich künftig.

Kolumne von Carolin Gasteiger

Darum geht es:

Im Parkhaus eines Einkaufszentrums wird eine Frau überfahren, sie stirbt an ihren Verletzungen. Auf den Überwachungskameras ist ein schwarzer Jeep zu sehen, der die Absperrschranke durchbricht. Bald steht nicht nur dessen Halterin unter Mordverdacht, sondern auch drei Mädchen, die sich zur Tatzeit im Einkaufszentrum aufhielten. Louisa, Paula und Charlotte sind drei kleine Biester, an die Kommissarin Nina Rubin und ihr Kollege Robert Karow schwer herankommen. Aber nicht nur die zickigen Mädels fordern die Berliner Ermittler heraus, sondern auch Karows immer noch ungeklärte Vergangenheit. Und die Frage, wie die beiden Kommissare weiter zusammenarbeiten können.

Hier lesen Sie die Rezension von SZ-Tatort-Kritikerin Katharina Riehl:

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ARD-Krimi

"Tatort" Berlin: Wer zum Teufel ist diese blonde Frau?

Wenn man beim Berliner "Tatort" mitkommen will, hilft Wikipedia. Für Aufsehen sorgt die letzte Episode vor der Sommerpause aus einem anderen Grund.   TV-Kritik von Katharina Riehl

Bezeichnender Dialog:

Nina Rubin und Robert Karow gehen über den Parkplatz zu ihrem Dienstwagen. Zuvor haben sich die Kollegen der beiden im Büro über ein Video amüsiert, das Karow beim Sex mit einem Unbekannten zeigt - und, dass dieser dem Kommissar eine Waffe unterjubelt, für die Karow am Ende des vergangenen Falles "Ätzend" festgenommen wurde. Nun wird er freigelassen und kehrt ins Büro zurück. Die Szene mit dem Video nimmt er mit Humor und entgegnet dem schadenfreudigen Kollegen Mark Steinke, als der zum Tatort mitkommen will: "Nenene, schön Stube, ich bin ja wieder da. Im Gegensatz zu Ihnen gut gefickt."

Rubin: Mark Steinke kriegt eine Abmahnung, das geht gar nicht. Das ist mir sehr unangenehm mit dem Video.

Karow: Primaten mit Penetrationsangst - unser tägliches Brot.

Rubin: Da stehen Sie einfach drüber ...

Karow: Ja, meistens. (...) Und? Haben Sie Erdems Video gefunden? (Das Handyvideo des in "Ätzend" ermordeten Mutlu Erdem würde Karow vom Mordverdacht an seinem ehemaligen Partner Gregor Maihack entlasten, Anm. d. Red.) Haben Sie es überhaupt gesucht?

Rubin: Wir haben ja Ihre Videoüberwachung gefunden. Ganz schön paranoid, sich die eigene Wohnung zu verwanzen.

Karow: Hat mir immerhin den Arsch gerettet. Sie nicht.

Rubin: So kann man es auch ausdrücken. Wer will Ihnen denn den Mord an Ihrem Kollegen Maihack in die Schuhe schieben? Der Staatsanwalt? Ach bitte. Warum?

Karow: Sie glauben mir immer noch nicht. (steigt ein)

Rubin (bleibt stehen und murmelt vor sich hin): Doch. Ich glaube Ihnen.

Die besten Zuschauerkommentare:

Erschütterndste Szene:

Nina Rubin verhört Paula, das unverschämteste der drei Shopping-Mädchen. Vielmehr versucht sie es: Paula fängt an, "Pippi Langstrumpf" zu singen, lacht die Kommissarin aus und verweigert jede Auskunft. Rubin ergreift härtere Maßnahmen: Sie zeigt Paula Fotos des Mordopfers und nennt sie "Fickfehler Paula". So steht es auf Paulas Internetprofil. Als das Mädchen der Kommissarin schließlich "Du Bullenfotze" entgegenspuckt, eskaliert die Situation: Rubin holt aus und ohrfeigt Paula, die fällt zu Boden. Erschütternd, aber eindrücklich, wie überzeugend die beiden es schaffen, sich in wenigen Minuten gegenseitig hochzuschaukeln - und ausrasten.

Top und Flop zugleich:

"Wir - Ihr - Sie" ist der dritte von vier aufeinanderfolgenden Berliner Tatorten. An sich ist es toll, wie Karows undurchsichtige Vergangenheit über mehrere Folgen hinweg erzählt wird. Aber was war noch gleich im November passiert? Wie schön, dass die Macher dazulernen und inzwischen feine Rückblenden in den Film einbauen. Alles versteht man zwar immer noch nicht (hier noch mal eine Zusammenfassung) - aber es ist hilfreicher als die Initiative der ARD, den vorangegangenen Fall nochmal in die Mediathek zu stellen. Ein Krimi am Sonntagabend genügt schließlich.

Beste Auftritte:

Emma Drogunova, Cosima Henman und Valeria Eisenbart spielen die drei zickigen Freundinnen Paula, Louisa und Charlotte zwar ziemlich überzeugend. Aber an Meret Becker und Mark Waschke reichen sie einfach nicht heran. Wie die beiden Kommissare mit sich selbst und dem anderen hadern, ist spannend und bewegend zugleich. Vielleicht sind die beiden sogar das aktuell beste Tatort-Gespann.

Traurige Erkenntnis:

Auch nach drei aufgeklärten Mordfällen und aller Bemühungen von Karow - Nina Rubin traut ihrem Kollegen nicht über den Weg. Ob sich das jemals ändern wird?

Schlusspointe:

Als Rubin eindeutige Aufnahmen des Treffens von Karow und seiner früheren Geliebten Christine Maihack auf ihren Computer gemailt bekommt, ist sie skeptisch. Als Karow dann auch noch vorschlägt, sich zu duzen, verharrt Rubin in einem panischen Blick. Ein Blick, der weit über Misstrauen hinausgeht.

Mit "Wir - Ihr - Sie" gehen Tatort und Polizeiruf in die Sommerpause. Wir lesen uns voraussichtlich Ende August wieder - schöne Zeit!

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