ARD-Krimi "Tatort" Berlin: Wer zum Teufel ist diese blonde Frau?

Kommissar Karow und die blonde Unbekannte, die er küssen will.

(Foto: rbb/Frédéric Batier)

Wenn man beim Berliner "Tatort" mitkommen will, hilft Wikipedia. Für Aufsehen sorgt die letzte Episode vor der Sommerpause aus einem anderen Grund.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Im Online-Lexikon Wikipedia haben sich ein paar Menschen freundlicherweise die Mühe gemacht, sehr ausführliche Inhaltsangaben der ersten beiden Ausgaben des neuen Berliner Tatorts zu notieren. Die hat man als Zuschauer des dritten Falls "Wir - ihr - sie" wirklich bitter nötig, und sollte sich hinter den Pseudonymen Bergfalke 2, Goldmull und WIKImaniac nicht die Pressestelle des RBB verbergen, wäre an dieser Stelle vielleicht mal ein kleines Dankeschön fällig.

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Im Tatort mit Meret Becker und Mark Waschke als Kommissare Rubin und Karow versucht man sich seit März 2015 an einer über vier Folgen erzählten Handlung. Es geht um organisiertes Verbrechen und Rauschgifthandel, es geht um die möglicherweise finstere Vergangenheit des Kommissars, dessen früherer Partner beim Drogendezernat aus der Spree gefischt wurde. Der Gedanke ist ambitioniert, und schließlich schreien ja immer alle nach den großen horizontal erzählten Serien aus Amerika. Aber die sieht man im Idealfall in wenigen Tagen am Stück - zwischen den Tatort-Episoden aus Berlin aber liegt immer ein halbes Jahr. Und wer zum Teufel ist diese blonde Frau, die der Kommissar beim Joggen abfängt und zu küssen versucht?

Neben dem jeweils vorwissenspflichtigen Teil der Filme wird aber stets auch noch eine Krimihandlung für Einmalgucker erzählt. Dieses Mal (Buch: Dagmar Gabler, Regie: Torsten C. Fischer) wird in einem Parkhaus eine Frau überfahren, der Fahrer eines Jeeps quetscht sie gegen ein anderes parkendes Auto und rollt dann noch über das brüllende Opfer. Berlin ist kein schöner Ort im Tatort des RBB. Ermittelt wird im Umfeld der Frau, denn der Wagen gehörte ihrer Nachbarin, und irgendwie geht es auch mal wieder um den offenbar wirklich sehr schlimmen Einfluss von Smartphones auf das Sozialleben junger Mädchen.

Aufsehen erregt hat dieser letzte Tatort vor einer sportereignisbedingt sehr langen Sommerpause aber schon aus anderen Gründen, zumindest wenn man Aufsehen an Schlagzeilen in der Bild-Zeitung bemisst. Nach der Filmpremiere in Berlin, Mitte Mai war das, erschien da ein Foto von Kommissar Karow beim Sex mit einem, oh ja: Mann. "Noch nie wurde Männerliebe im Tatort so deutlich gezeigt", wusste Bild zu berichten. Bergfalke 2, Goldmull und WIKImaniac wüssten vermutlich, ob das auch wirklich stimmt.

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