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ARD-Film über Helene Fischer:Tränen in den Augen

ARD-Film über Helene Fischer

Helene Fischer: Wenn es sie nicht schon gäbe, würde sicher gerade jemand versuchen, sie zu erfinden.

(Foto: dpa)

Sie macht nicht irgendwelche Musik, sondern deutsche Schlager voller Liebe und Versprechungen: Ein ARD-Film zeigt, dass Helene Fischer keine Schnapsidee war, sondern ein perfekt produziertes Phänomen, zu dem man hin und wieder einen Schnaps vertragen könnte.

Von Katharina Riehl

Es scheint, als könne man das Phänomen Helene Fischer nicht besser beschreiben als so, wie ihr Manager Uwe Kanthak es kurz vor Schluss des Films tut. Man hat sich an diesem Punkt schon ziemlich einlullen lassen, es ist das Ende der großen Helene-Fischer-Tournee, die Sängerin ist krank und ohne Stimme. Sie ist nicht sehr glücklich. Kanthak sitzt neben ihr im Auto und sagt: "Wenn es dich nicht gäbe, müsste man dich erfinden."

Das ist ein hübscher Satz, auch insofern, als Uwe Kanthak den Schlagerstar Helene Fischer vielleicht nicht erfunden, aber doch miterdacht hat. Dass Helene Fischer deutsche Schlager singen könnte, war seine Idee. Es war, das muss man sagen, eine ziemlich gute.

Helene Fischer, 28, ist derzeit wahrscheinlich der größte deutsche Schlagerstar. So erfolgreich immerhin, dass das ZDF sie gerade für eine Show von der ARD abwarb, dass sie vor ein paar Wochen den Echo nicht nur gewann, sondern die Gala auch gleich selbst moderierte. So erfolgreich, dass der Mitteldeutsche Rundfunk (bisher der Sender der Helene Fischer Show) ihr einen eineinhalbstündigen Dokumentarfilm widmet, den das Erste an Christi Himmelfahrt zeigt.

Es klatschen nicht alte Damen

Der Film begleitet Helene Fischer bei den Vorbereitungen zu ihrer Tour und währenddessen, zu Interviews und Proben. Oberflächlich erfährt man im Grunde nichts, was sich nicht an jedem anderen erfolgreichen Musiker auch erzählen lassen könnte: dass eine Tour brutal anstrengend ist, egal, welche Musik man unterwegs an seine Zuhörer verkauft.

Aber Helene Fischer macht nicht irgendwelche Musik, sie singt deutsche Schlager, gefühlvoll und kitschig, voller Liebe und großer Versprechungen. Und so wird aus diesem Film auch eine kleine Kulturgeschichte einer Welt, die allen fremd ist, für die öffentlich-rechtliche Schlagerhitparaden nur ein weiterer Beweis sind für Gebührenverschwendung und gebührenfinanziertes Seniorenprogramm. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die Musik macht, zu der man hin und wieder einen Schnaps vertragen könnte. Bei deren Konzerten aber nicht nur ältere Damen im Takt klatschen, sondern auch junge Männer mit Gel in den Haaren und kleine Mädchen mit Tränen in den Augen.

Vielleicht, weil sie ihre Musik wirklich lieben. Vielleicht, weil Helene Fischer eine sehr schöne Frau ist. Vielleicht weil Helene Fischer und die Menschen, die mit ihr viel Geld verdienen, ein perfektes Markenmanagement betreiben. Egal: Der Film zeigt Helene Fischer als ein deutsches Massenphänomen, generationenübergreifend, hallenfüllend, quotenbringend. Wenn es sie nicht schon gäbe, würde sicher gerade jemand versuchen, sie zu erfinden.

Helene Fischer - Allein im Licht, ARD, 9. Mai, 22 Uhr.

© SZ vom 07.05.2013/kath

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