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ARD-Film "Tödliche Geheimnisse - Das Versprechen":Sind wir nicht alle ein bisschen furchtbar?

ARD-Krimi 'Tödliche Geheimnisse - Das Versprechen'

Man sieht sie im Kopf schon tippen: Karin (Anke Engelke) und Rommy (Nina Kunzendorf) recherchieren als investigative Journalistinnen.

(Foto: dpa)
  • "Das Versprechen" ist ein überlegter, ambitionierter Fernsehfilm über Schwarzarbeit und Korruption im Berliner Bausektor.
  • Inhaltlich ist er modern und relevant, filmisch aber leidet er an seinem eigenen Konzept.
  • Der dritte Teil der Filmreihe "Tödliche Geheimnisse", in der zwei Investigativreporterinnen recherchieren, ist am Samstagabend in der ARD zu sehen.

Dieser dritte Film aus der losen Tödliche Geheimnisse-Reihe macht sehr viel auf moderne Weise gut: Seine Hauptfiguren sind zwei renommierte Investigativreporterinnen, gespielt von Anke Engelke und Nina Kunzendorf, die klischeefrei gezeichnet und ganz kommentarlos ein Liebespaar sind. Das ist selten, nicht nur im deutschen Fernsehen.

Und dann ist auch noch der Plot aktuell und richtig relevant. Die beiden decken einen Schwarzarbeit-Skandal auf Berliner Baustellen auf, in den ein ehrgeiziger Senator und ein Baugroßunternehmer verwickelt sind und dem ein Ukrainer vom Arbeitsstrich zum Opfer fällt. Hauptantagonist der Reporterinnen ist aber gar nicht so sehr ein mächtiger Mann, sondern vielmehr eine mysteriöse junge und, wie mehrfach betont wird, superbrilliante junge Politikerreferentin (Petra Schmidt-Schaller). So weit, so zeitgemäß.

Das Versprechen leidet dann aber doch zunehmend an seinem eigenen Konzept. Das Praktische an Journalistenfilmen ist ja, dass man die für einen komplexen, gesellschaftskritischen Politplot nötige Faktenvermittlung ganz einfach als Teil der Handlung ausgeben kann: So ist das nun mal, wenn Journalisten arbeiten. Sie stellen Fragen und bekommen - manchmal - Antworten. Engelke und Kunzendorf interviewen also ständig Experten und Politiker in Mitte-Bauten mit Glastüren und bodentiefen Fenstern. Das wirkt, zumal im bläulich-kalten Berliner Winterlicht, aber eben auch ziemlich blutleer und ein bisschen wie ein verfilmter Kurs in Investigativrecherche.

Für die Selbstkritik, die in keiner modernen essayistisch angehauchten Reportage fehlen darf, klingelt während der Redaktionssitzung ein Mann mit dunkler Haut an der Bürotür und bringt eine Plastiktüte mit Lieferessen vorbei. Nina Kunzendorf schaut nachdenklich und man sieht sie im Kopf schon tippen: "Aber sind wir so viel besser? Der Lebensstil des durchschnittlichen Großstädters wäre ohne Billigstarbeitskräfte gar nicht möglich."

Zwischen der Auswertung von Grundbucheinträgen und Handelsregister fallen druckreife, gesellschaftskritische Sätze über die Lage auf dem Berliner Mietmarkt, die mit illegalen Migranten billig verbessert werden soll und über moderne Sklaverei im Bausektor. Die große Reportage der Journalistinnen würde man gerne lesen. Als Film aber fehlt ihr die Lebendigkeit.

Tödliche Geheimnisse - Das Versprechen, ARD, Samstag 20.15 Uhr

© SZ.de/cag
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