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Anna Loos ermittelt als "Helen Dorn":Die Schonungslose

Anna Loos als LKA-Kommissarin Helen Dorn

Anna Loos in der Folge "Das dritte Mädchen" als LKA-Kommissarin Helen Dorn in Nordrhein-Westfalen.

(Foto: Martin Valentin Menke/ZDF)

Eine Frau mit Brandenburger Härte: Anna Loos spielt eigentlich Rollen jenseits der üblichen Harmlosigkeit. Ausgerechnet sie wird am Samstagabend zur ZDF-Ermittlerin. Immerhin hat sie sich mit ihrer Figur Helen Dorn trotz aller Unterschiede inzwischen angefreundet.

Auf eine Frage zu ihrem Alter hat die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos einmal geantwortet, sie fühle sich sowieso 70 Prozent des Tages wie ein Kind. Das kann nun wirklich nicht jede Frau von sich behaupten, und möglicherweise hat Loos an diese Aussage diesen kleinen Laut angehängt, den sie manchmal macht, was dann ungefähr wie Ha-ha klingt. Nur dass die Stimme dabei in die Höhe wegkickst und sich von oben sozusagen handgelenkswedelnd lustig macht über den seltsamen Satz da unten.

Das Kind Anna Loos ist jetzt 43 Jahre alt. Zu sehen war sie zuletzt zum Beispiel als Lehrerin Vera in der DDR-Saga Weissensee, die das Dulden und Trinken aufgibt und endlich zu sich findet. Oder in der eleganten, aberwitzigen Beziehungsschlacht Die Frau von Früher, eigentlich eine Theaterverfilmung. Konzentrierte Rollen. Rollen jenseits der üblichen Harmlosigkeit. Und jenseits auch des Bunte-Ruhms als Ehefrau von Tatort-Pathologe Jan Josef Liefers. Ausgerechnet sie wird nun selber Ermittlerin, am Samstagabend im ZDF.

"Ich sag's jetzt, wie es ist"

Es ist ein Vormittag wenige Wochen vor dem Start der neuen Reihe. Anna Loos sitzt an einem großen Tisch im Arbeitswohnzimmer ihrer Agentin. Sie trägt eine Ballerina-Variante des Berliner Dutts, dezente Ohrstecker, ein hellgraues weites Shirt. Von den auf Tellerchen arrangierten Dingen angelt sie sich die Kohlrabi-Schnitze.

Wenn man ihr mit ihrem Satz über das Kindsein kommt und fragt, was damit gemeint sei, dann wird ihr Gesicht übermütig. "Das ist bei mir immer so", ruft sie, und dabei sei sie auch froh, 43 zu sein. Das heißt, eigentlich ruft sie gar nicht, es ist nur so, dass Anna Loos eine feste Stimme hat und ein bisschen berlinert, wenn sie nun etwas für sich verteidigt, was auch mit Trotz zu tun hat: "Zum Beispiel, man lernt ja im Leben, dass es nicht immer gut ist, die Wahrheit zu sagen. Als Kind macht man das schonungslos. Und ehrlich gesagt liebe ich dieses Schonungslose. Ich steh da drauf. Ein kurzes und knappes 'Ich sag's jetzt, wie es ist', und dann müssen die alle damit umgehen. Und meistens geht es ja dann vorwärts."

Wie aus der Alliterationskanone

Da fällt einem natürlich die Frage ein, ob etwas vorwärts geht im deutschen Fernsehen. Wie schonungslos man sein kann auf einem Sendeplatz, der so etwas ist wie das Herzstück des schleichend vergreisenden öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wetten, dass . .? kommt da oder Willkommen bei Carmen Nebel. Und wenn ein Krimi läuft, dann ermittelten dort bislang Bella Block und Rosa Roth - Figuren, die in Zeiten erfunden wurden, als das Publikum noch gar nicht richtig an weibliche Ermittler gewöhnt war. Vielleicht hatten die auch gerade deshalb solche Knallernamen wie aus der Alliterationskanone.

Die Frage ist aber falsch. Oder mit den Worten von Anna Loos: "Als Schauspieler finde ich: Ungebremst ist es nie gut. Ich bin zum Beispiel kein Freund von groß, laut, schneller, weiter. Ich steh auch total auf die Schauspieler, die sich im Griff haben, was das angeht." Professionalität, soll das wohl heißen, hat nichts zu tun mit privater Befindlichkeit.