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"Absolute Mehrheit" auf Pro Sieben:Bergab nach nettem Start

Er kann aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach dem netten Start für Otto bergab geht - ausgerechnet beim bedingungslosen Grundeinkommen, einem jener Themen, mit dem die Piraten im Wahlkampf punkten wollen, gelingt es ihr nicht zu punkten. Zwar erzählt sie einiges von einer immer stärker automatisierten Gesellschaft, in der Vollbeschäftigung nicht mehr das oberste Ziel sei. Sie schwärmt vom Wert kreativer Leistung und sozialer Arbeit, die auf diese Weise aufgewertet würden.

Doch sie scheitert letztlich an einem ganz einfachen Problem: Ihre Partei hat zwar das bedingungslose Grundeinkommen im Programm stehen. Doch auf ein konkretes Modell haben sich die Mitglieder noch nicht geeinigt. Das soll, so schwebt es den Piraten vor, in einer Enquetekommission im Bundestag entwickelt werden. Den anderen Talkgästen, die alle aus dem einen oder anderen Grund gegen ein Grundeinkommen sind, gibt das natürlich reichlich Munition in die Hand: Wer soll das denn alles zahlen? Und von welchem Geld? Wem soll das letztlich nutzen? Alles Fragen, die schwer zu beantworten sind, solange die Piraten sich darum herumdrücken, konkrete Zahlen in den Ring zu werfen.

Sieg für den Oberpolterer

Mit Sätzen wie "Die Menschen in meinem Weltbild sind aktiv und wollen arbeiten" kommt Otto zwar sehr idealistisch rüber. Es wird mehr als deutlich, dass die Piraten ungewöhnliche, ja, sogar visionäre Ideen haben. Aber gleichzeitig drängt sich der Eindruck auf, dass sie noch nicht das nötige Rüstzeug haben, diese auch im politischen Wettkampf zu platzieren.

Und so ist es bezeichnend, dass Otto letztlich doch nur auf dem zweiten Platz landet und den ersten Platz ausgerechnet ein bekennender Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens einfährt: Oberpolterer Klaus Ernst.

Mit der tatsächlichen Wahlentscheidung haben die Pro-Sieben-Zuschauervotings wenig zu tun. Sonst müsste die Linke, nachdem bereits Fraktionschef Gregor Gysi die letzte Sendung Absolute Mehrheit für sich entschied, demnächst den Bundeskanzler stellen.

Doch über die Wahlkampftauglichkeit der Piraten sagt die Sendung dennoch einiges aus. Am Schluss, so stellt es Absolute-Mehrheit-Analyst Alexander fest, fehlte Cornelia Otto einfach die Puste. Und ihrer Partei, das lässt sich ergänzen, die eine oder andere klare Antwort.

© Süddeutsche.de/fran
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