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Überbleibsel aus der DDR:Wörter, die die DDR nicht überlebt haben

Ruth Reiher von der GfdS merkt an, dass sich, von diesen Ausnahmen abgesehen, im Wortschatz eine Angleichung des östlichen Sprachgebrauchs an den westlichen vollzogen habe. "Allerdings ist östlicher Wortschatz noch als Archaismus vorhanden und wird auch erhalten bleiben, um über die gesellschaftlichen und sprachlichen Verhältnisse in der DDR angemessen sprechen zu können."

Zusammen mit Klaus Dieter-Ludwig, der an diesem Abend als GfdS-Zweigstellenleiter Berlins verabschiedet wurde, kann sie sich noch an Worte erinnern, die die DDR nicht überlebt haben - weil sie Dinge bezeichnen, die es nicht mehr gibt:

Abschnittsbevollmächtigter (Volkspolizist, der für bestimmte Bereiche in Gemeinden, Stadtbezirken und auf Streckenabschnitten der Reichsbahn zuständig war)

Dorfakademie (Einrichtung der Erwachsenenbildung in der DDR mit Abendkursen zur beruflichen Fortbildung der Landbevölkerung)

EOS (Erweiterte Oberschule)

Hausbuch (über jedes Haus, die jeweiligen Mieter mit Namen, Geburtsdatum und Beruf sowie über Besucher aus dem Westen musste per Meldeordnung Buch geführt werden)

Kaderabteilung (Personalabteilung)

Klubhausleiter (in Klubhäusern fanden Theater-, Groß- und Parteiveranstaltungen statt)

Schonplatz (Arbeitsplatz, der jemandem zugewiesen wird, der aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht in der Lage ist, seine übliche Arbeit zu verrichten)

VEB (Volkseigener Betrieb)

Volkspolizei (umgangssprachlich Vopo, amtlich DVP, zentralistisch organisierte Polizei)

Dass auch ganze Sätze oder Satzbausteine heute noch von Menschen aus dem Osten ganz normal in den Sprachgebrauch einfließen, die im Westen aufgrund des Dialekts kaum verstanden werden, zeigt Norbert Dittmar in seiner "Spurensuche nach sprachlicher Identität, 25 Jahre nach Fall der Sprachmauer". Er konzentrierte sich unter anderem auf das "weeß ick" (Stimme geht bei "ick" nach oben), das Berliner und DDR-Muttersprachler oft mehrfach in Sätze einbauen, und das soviel bedeutet wie "was weiß ich".

Und obwohl das Wort "urst" inzwischen auch in den alten Bundesländern ein Begriff sei, werde ein Satz wie "Fetzt urst ein", den die linke Wochenzeitung Jungle World noch in diesem Sommer als Überschrift für die Besprechung eines DDR-Comics verwendete, in "westlichen" Medien wohl niemals zu finden sein, mutmaßt Sprachwissenschaftler Schlobinski.

Was hiermit widerlegt wäre. So wächst endlich zusammen, was zusammengehört.

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