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Soziales - Rostock:Beratungsstellen für besseren Umgang mit häuslicher Gewalt

Rostock (dpa/mv) - Nach zwei Fällen schwerer häuslicher Gewalt in Rostock haben die Beratungsstellen einen Paradigmenwechsel beim Umgang damit gefordert. "Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern muss gesamtgesellschaftlich thematisiert und aufgearbeitet werden", heißt es in einer Stellungnahme der Landeskoordinierungsstelle Cora. Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie groß die Bedrohung durch häusliche und sexualisierte Gewalt ist und wie viele Menschen sie betrifft. Dies könne nur gemeinsam von Politik, Bildungswesen und den Medien erreicht werden. Dabei kritisierten die Mitarbeiterinnen, dass die Vorfälle in Rostock medial nicht als häusliche Gewalt bezeichnet und eingeordnet worden seien.

Am 18. Juli war eine Frau in ihrer Wohnung im Stadtteil Groß Klein angegriffen und schwer im Gesicht verletzt worden. Sie lag laut einer Polizeisprecherin auch mehr als eine Woche nach dem Angriff noch im Krankenhaus und konnte bislang nicht vernommen werden. Es gebe einen Anfangsverdacht gegen einen Bekannten der Frau. Ob es sich dabei um ihren Partner oder Ex-Partner handelt, sei aber noch unklar.

Zwei Tage später, am 20. Juli, hatte ein 40-Jähriger ein drei Monate altes Baby schwer mit einem Messer verletzt, nachdem er den Säugling, dessen 18-jährige Mutter und seinen neun Jahre alten Sohn kurzzeitig mit sich in der Wohnung eingesperrt hatte. Als Polizisten die Wohnung stürmten, stürzte der Mann vom Balkon und starb. Das Baby kam mit schweren Verletzungen in eine Klinik. Der Mann soll ersten Erkenntnissen zufolge mit der Mutter der 18-Jährigen liiert gewesen sein.

Einer Studie der Polizei zufolge werden nur drei Prozent der Fälle häuslicher Gewalt angezeigt, bei sexualisierter Gewalt null Prozent. Demgegenüber stehen laut Sozialministerium fast 4600 Menschen, die sich im vergangenen Jahr an Beratungsstellen wandten und Hilfe suchten.