Serie: Körperbilder (4):Das passende Kinn zur Karriere

Nur ein paar Schnitte entfernt von der makellosen Männlichkeit: Warum sich so viele erfolgshungrige Gutverdiener operieren lassen.

Marten Rolff

Das neue Kinn von Christoph Helms ist gerade einmal drei Tage alt. Doch um Spuren der Operation zu entdecken, muss man schon genau hinsehen. Nur wenn der 35-Jährige den Kopf in den Nacken legt, erkennt man unter dem Kinn die Fäden einer feinen Naht. Zwei Millimeter lang war der Schnitt für die Kanüle, mit der ihm das überschüssige Fett abgesaugt wurde, 40 Minuten dauerte das. "Wie ein Zahnarzttermin", winkt Helms ab.

Brad Pitt

Model bei der Mailänder Modewoche 2008: Immer mehr Männer eifern einem Schönheitsideal nach und unterziehen sich einer Schönheitsoperation.

(Foto: Foto: dpa)

Freitag Schönheits-OP, Samstag und Sonntag Abschwellzeit, Montag war er wieder in der Unternehmensberatung. Ohne das lästige Doppelkinn. Und mit einem Pflaster auf der Naht. "Ach, nur beim Rasieren geschnitten", hat er den Kollegen erklärt. Die haben verständnisvoll genickt.

Christoph Helms, der eigentlich anders heißt, verkörpert einen Trend. Zum einen, weil er zu der wachsenden Zahl von Männern gehört, die zum plastischen Chirurgen gehen. Zum anderen, weil gerade Männern wie Helms das Aussehen statistisch gesehen besonders wichtig ist: Keine andere Gruppe misst der äußeren Erscheinung mehr Bedeutung für die Karriere bei als männliche Spitzenverdiener. Und als Partner mit einem Jahresgehalt "jenseits der Viertelmillion" ist Helms nur einen Schritt von der Firmenleitung entfernt.

Überraschend sei, dass vor allem Männer Äußerlichkeiten im Job immer wichtiger finden, sagt Sonja Bischoff. Die Hamburger Wirtschaftsprofessorin untersucht seit 1986, worin Führungskräfte Erfolg begründet sehen. "Dabei hat das Aussehen eine eigene Karriere gemacht", sagt Bischoff.

Etwa ein Drittel der männlichen Manager hält es heute für aufstiegsfördernd (Frauen: 25 Prozent), es wird öfter genannt als Sprachkenntnisse oder Beziehungen. Top-Werber und PR-Fachleute werten die äußere Erscheinung gar als wichtigsten Erfolgsfaktor hinter der Ausbildung. "Sie halten das für entscheidender als Spezialwissen", erklärt Bischoff, "das muss man sich mal vorstellen."

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