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Psychologie:Hochbegabung

"Er war wie ein Schnellkochtopf, dauernd am Explodieren"

Das sagt die Mutter: "Bela war von Anfang an weit für sein Alter, konnte früh sehr gut sprechen und hat uns oft überrascht mit dem, was er schon verstanden hat. Gemacht haben wir lange nichts, wir dachten uns: Ist halt ein cleveres Kerlchen. Wir haben ihn allerdings mit fünf Jahren eingeschult, weil ihm im Kindergarten langweilig war. Er ist also der Jüngste in der Klasse - und der Beste.

Als er in der dritten Klasse war, wurde es schwierig mit ihm. Er war wie ein Schnellkochtopf, dauernd am Explodieren, wenn Dinge nicht so liefen, wie er sie sich vorgestellt hat. Und weil er so viel versteht und so eine wilde Fantasie hat, hat er leider oft eine sehr genaue Vorstellung. Wenn dann der Besuch von Oma anders ablief, als er sich das zuvor überlegt hatte, fuhr er aus der Haut. Mein Mann und ich waren uns unsicher: Muten wir ihm zu viel zu? Oder ist er nicht ausgelastet?

Die Klassenlehrerin hat uns dann in ein Heilpädagogisches Zentrum geschickt. Bela hat dort diverse Tests durchlaufen und wir hatten pädagogische Beratungsgespräche. Am Ende war der Befund glasklar: hochbegabt, er hat einen IQ von 147 Punkten. Erst mal waren wir erleichtert, denn die Tests haben vieles andere - Autismus zum Beispiel und ADHS - ausgeschlossen. Wir wissen jetzt, dass er ein ganz normales Kind ist, nur eben besonders schlau. Andererseits wussten wir nicht so richtig, was wir jetzt machen müssen. Wir wollen nicht in diesen Strudel der Elitenförderung geraten, wichtiger ist uns, dass Bela im Alltag zurechtkommt. Das ist oft gar nicht so einfach, weil er im Kopf schon so viel weiter ist als im Bauch.

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In diese Richtung wollen wir ihn fördern. Deswegen haben wir uns gegen ein Elitegymnasium entschieden, er kommt jetzt einfach in die Schule um die Ecke. Außerdem suchen wir gerade nach der richtigen Sportart für ihn und wollen, dass er ein Instrument lernt. Er soll die Erfahrung machen, dass auch ihm nicht alles zufliegt. Denn dafür, dass andere manche Sachen nicht sofort verstehen, fehlt ihm manchmal das Verständnis."

Das sagt Bela, 9: "Ich langweile mich oft im Unterricht. Weil ich mir die Sachen immer gleich merken kann, nervt es, wenn wir sie dann noch mal und noch mal machen. Die anderen Kinder sagen manchmal 'Ich wär auch gern so schlau wie du' und 'du weißt ja immer alles'. Das verstehe ich - ich bin gerne so schlau.