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Namensforschung:"Viele glauben an Namenmagie"

Damaris Nübling

Damaris Nübling ist Professorin für Historische Sprachwissenschaft an der Gutenberg-Universität in Mainz und beschäftigt sich mit Namen.

(Foto: dpa)

Können Namen das Leben vorbestimmen?

Das wird oft behauptet, aber dafür gibt es überhaupt keinen wissenschaftlichen Beleg. Dennoch glauben viele an Namenmagie. In den USA gibt es sogar Untersuchungen, die behaupten, der erste Buchstabe spiele beim Job eine Rolle: Als Damaris würde ich eher Dachdeckerin. Aber das ist Quatsch, reiner Aberglaube.

Wie groß ist die Gefahr, dass ein Name, der jetzt gut klingt, bald wieder out ist?

Trends sind sehr viel langfristiger, als wir glauben. Und oft betreffen sie nicht einzelne Namen, sondern eher lautliche Muster. Derzeit sind weiche Konsonanten und sonore Klangmuster - wie bei Lilly, Lara, Mia oder auch Leo - in. Zudem sind Namen deutlich kürzer geworden. In den siebziger Jahren nannte man seinen Sohn Sebastian oder Andreas, heute sind Tom oder Finn Trendnamen. Auch Frauennamen sind kürzer geworden: Statt Christina heißen Mädchen heute eher zweisilbig Mia oder Emma.

Woher kommt die Vorliebe zu kurzen Namen?

Solche Namen sind im Alltag leichter zu gebrauchen. Ein Maximilian wurde früher von den meisten wahrscheinlich auch Max genannt. Inzwischen haben solche Kosenamen Einzug in die offizielle Namenvergabe gefunden. Der Trend geht zur Intimisierung. Lilly ist ja ursprünglich die Kurzform von Elisabeth, Mia von Maria. Solche Namen können allerdings auch zur Belastung werden.

Wieso?

Kinder werden erwachsen, manchen wird dann ihr Name zu kindlich, sie fühlen sich mit Diminutiv im Job eventuell nicht ernst genommen. Natürlich trifft das nicht auf alle zu: Viele Lillys tragen ihren Namen mit Stolz. Deshalb kann man schlecht sagen, der oder der Name geht gar nicht. Wie man seinen eigenen Vornamen wahrnimmt, das ist sehr individuell.

© SZ.de/olkl/segi

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