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Nachhaltigkeit und Weihnachten:Zeit statt Zeug

Etwas für den anderen zu tun, kann auch das ganze Geschenk sein. Unter dem Slogan "Zeit statt Zeug" ist es der Geschenk-Minimalismus-Tipp schlechthin, für Papa den Rasen zu mähen, Mama zum Essen einzuladen und Opa zum Arzt zu begleiten anstatt uninspiriert Tee und Socken zu verpacken. Doch die schönen Versprechen funktionieren als Geschenk nur, wenn man sie wirklich halten kann. Wenn der Gutschein vom vergangenen Jahr immer noch an der Kühlschranktür vergilbt und plötzlich schon wieder Weihnachten ist, sollte man sich etwas anderes einfallen lassen. Es gibt zwar kaum etwas Umweltfreundlicheres als ein niemals eingelöster Gutschein - aber froh macht das niemanden.

Selbstgemachtes und Dinge, die sich aufbrauchen

Ein anderer Tipp auf den einschlägigen Öko-Plattformen ist es, Selbstgemachtes zu schenken: selbsthergestelltes Badesalz, ein gebasteltes Fotoalbum, Marmelade aus dem eigenen Garten ... Ich finde allerdings, dass hier das gleiche gilt wie für gekaufte Geschenke: Es muss passen. Auch Eigenproduktionen verbrauchen Ressourcen. Und wenn sie danach im Regal verstauben oder gar in den Müll geworfen werden, waren sie keine nachhaltige Option.

Dinge, die sich aufbrauchen, sind meistens eine umweltbewusste Alternative. Tolle Massageöle, leckere Weine, besondere Pralinen - damit macht man eigentlich nur was falsch, wenn die Person Wellness, Alkohol oder Süßigkeiten grundsätzlich nicht schätzt. Doch so gut kennen sich die Menschen, die Weihnachten miteinander feiern, im Normalfall.

Weihnachten ohne Versandhandel

Sobald klar ist, was wem geschenkt werden soll, gilt es, Besorgungen zu machen und alles, wirklich alles, gibt es bei Amazon. Gegen den simplen Online-Einkauf sprechen allerdings die schlechten Arbeitsbedingungen bei dem Versandhändler. Utopia hat deshalb eine Liste mit "grünen" Online-Shops gemacht. Wie umweltfreundlich sie wirklich sind, ist aber sehr unterschiedlich und keiner davon bietet auch nur annähernd ein so großes Sortiment wie Amazon. Davon abgesehen: Ist im Internet bestellen nicht grundsätzlich verwerflich?

Eine gute Ökobilanz hat der Versandhandel selten, sagt Yvonne Zwick vom Rat für nachhaltige Entwicklung, schon gar nicht, wenn mehrere Zustellversuche notwendig sind. Wer Dinge bestellen muss oder will, sollte daher sicherstellen, dass das Paket angenommen werden kann - zur Not vom Nachbarn. Auch Packstationen sind keine ökologische Alternative, da sie ständig mit Strom versorgt und ans Netz angeschlossen sein müssen. Dazu kommt, dass Produkte, die mit der Post kommen, meistens mehrfach verpackt sind und daher viel Müll anfällt.

Also doch ab in die Einkaufszentren und Fußgängerzonen. Gerade in der Vorweihnachtszeit macht es häufig eh keinen großen Unterschied, ob man nun in der Schlange am Postschalter steht oder sich durch die Läden schiebt. Immerhin ist es bei Büchern und oft auch bei CDs, DVDs und Spielen möglich, sie im stationären Buchhandel vorzubestellen und dann in der Filiale abzuholen. So spart man sich wenigstens einen Weg und weiß, dass das gewünschte Produkt auf jeden Fall da ist.

Qualität statt Masse

Weitere Nachhaltigkeits-Tipps für Geschenke sind schwierig, schließlich können Geschenke alles mögliche sein: Spielsachen, Kleidung, Schmuck, Kosmetik, Elektrogeräte - alles davon würde eine eigene Nachhaltigkeitsbetrachtung verdienen (Kleidung, Kosmetik und Elektrogeräte haben sie auch schon bekommen, hier können Sie weiterlesen). Daher gibt es an dieser Stelle nur ein paar Binsenweisheiten wie: Kaufen Sie hochwertige, langlebige Produkte anstatt möglichst viel Zeug zu verschenken. Achten Sie auf Zertifizierungen und Öko-Siegel. Unterstützen Sie regionale Händler statt globaler Ketten.

Diese Regeln gelten natürlich auch für den Kauf von Adventskalendern und Weihnachtsdekoration. Hier ist es zudem sinnvoll, Dinge mehrmals zu verwenden. Nicht jedes Jahr muss ein neues Deko-Konzept her, auch wenn DIY-Blogs und Frauenmagazine einem das weismachen wollen.

Ich hole jetzt also die Kerzenhalter aus Holzsternen aus dem Keller, die seit Jahren bei uns Adventsstimmung verbreiten. Danach fülle ich für die Kinder Schokoladenkugeln in Papiertütchen, die ich dann an den selbstgestickten Adventskalender hänge. Nein, nicht von mir, ich kann nicht sticken. Das wunderschöne Stück ist bereits einige Jahrzehnte alt und hat bereits meine Adventssüßgkeiten getragen, als ich ein kleines Mädchen war. Am nachhaltigsten ist schließlich immer, das zu verwenden, was schon vorhanden ist. Wer etwas Neues braucht und nicht selbst basteln will, findet hier eine Zusammenstellung von Bio- und Fairtrade-Adventskalendern.

Und wie geht das jetzt mit der Öko-Weihnacht?

Der Advent kann kommen, wir sind gerüstet: Die Fraser-Tanne aus Österreich ist gemietet, ein zertifizierter Adventskranz ist gekauft. Die Verwandschaft ist angehalten, nur zu schenken, was gewünscht wurde und wünscht sich hoffentlich auch selbst was Konkretes. Als Deko nehmen wir, was noch im Keller liegt und was die Kinder so basteln.

Ob unser Öko-Weihnachten entspannt wird? Ob meine Bemühungen, die Geschenkemenge einzudämmen, fruchten? Ob der Mietbaum in unserem Wohnzimmer überlebt? Nach Weihnachten schreibe ich darüber - und wünsche Ihnen bis dahin einen möglichst angenehmen Advent. Gerne können Sie mir schreiben, wie Sie es schaffen, an Weihnachten umweltbewusst zu bleiben - oder auch nicht. Ich freue mich über Feedback an barbara.vorsamer@sz.de.