Massenhafter Zustrom Nachwuchs für Schulen

Kinder integrieren.

(Foto: Illustration Christine Rösch)

Schule

Sie heißen Begrüßungsklassen, Willkommensklassen, Übergangsklassen, internationale Vorbereitungsklassen - die Namen unterscheiden sich, das Ziel ist gleich: Junge Flüchtlinge, die nicht oder kaum Deutsch sprechen, sollen im Schulsystem ankommen - um möglichst schnell in reguläre Klassen zu wechseln. Meist ist der Schulbesuch nach drei Monaten vorgesehen, oder sobald die Erstaufnahmeunterkunft verlassen wird. Für Deutschlands Schulen mit ihren seit Jahren rückläufigen Schülerzahlen bringt das Nachwuchs - auf das Gesamtsystem gerechnet aber überschaubar.

Elf Millionen Schüler sitzen hierzulande in Klassenzimmern. Von den 800 000 in diesem Jahr erwarteten Flüchtlingen, dürften gut 250 000 minderjährig sein. Bayern erhöht die Zahl seiner Übergangsklassen darum zunächst um ein Viertel, auf knapp 500, auch an beruflichen Schulen gibt es Hunderte. Da die Schüler in bestehende Strukturen eingebettet sind, lässt sich der Finanzbedarf kaum ermitteln. Rein statistisch verursacht ein Schüler pro Jahr Kosten von etwa 6500 Euro. In vielen Ländern bessern die Regierungen bei den Lehrerstellen nach. Manche Schulen, die bisher schrumpften, werden durch die Neuankömmlinge wohl in ihrer Existenz gerettet; an anderen wird es eng.

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Doch Lernen ist mehr als ein Platz auf der Schulbank, die meisten Lehrer haben keine Erfahrung mit einer derart vielfältigen Schülerschaft. Ein bayerischer Hauptschullehrer berichtet: "Die Bandbreite geht von echten Analphabeten, die nie in einer Schule waren und bisher nur Schafe gehütet oder anderweitig gearbeitet haben, bis hin zu Kindern mit gymnasialer Eignung, die zwei, drei Sprachen sprechen, aber eben kein Deutsch."

Für Flüchtlinge, die bereits höhere Bildungsgänge einschlugen oder studierten, zeigen sich Hochschulen recht offen. Viele Unis nehmen Asylbewerber ohne klaren Status kostenfrei als Gasthörer auf, es gibt Stipendien und spezielle Beratung. Außerdem verspricht man, bei der regulären Zulassung flexibel zu sein - etwa wenn Zeugnisse bei der Flucht verloren gingen.

Text: Johann Osel