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Dem Geheimnis auf der Spur:Promi der Saison

Painter Bernard Buffet at the Chateau l'Arc

Hollywood-Regisseure liebten seine Werke: der Künstler Bernard Buffet.

(Foto: Sygma via Getty Images)

Wie der Maler Bernard Buffet in den Fünfzigerjahren in Hollywood zur kurzen Sensation wurde - und welche Rolle ein geheimnisumwitterter Filmemacher dabei spielte.

Von Fritz Göttler

Hollywood war wieder mal richtig fix, als es galt, einen neuen Star zu etablieren - keinen Filmstar, sondern einen aus der Malerszene: Bernard Buffet hat in den Fünfzigern eine Superkarriere gestartet, mit gewaltiger Produktivität, Ausstellungen, Postkarten en masse - 1958 zählte ihn die New York Times zu Frankreichs "Fabulous Young Five", neben Brigitte Bardot, Roger Vadim, Françoise Sagan und Yves Saint Laurent. "In den Fünfzigern war keinen Buffet an seiner Wand zu haben in Hollywood wie kein Cabrio in seiner Einfahrt zu haben", schrieb Nicholas Foulkes 2016 in seiner Buffet-Biografie "The Invention of the Modern Mega-Artist". In den Sechzigern war es dann vorbei mit der Omnipräsenz des manisch produktiven Künstlers, die Museen steckten seine Bilder verschämt in die Keller. Sein schroffer, kantiger Existenzialismus stand quer zu den neuen Stars, die ihr Starsein zur Kunst erklärten.

Treibende Buffet-Kraft in Hollywood war der geheimnisumwitterte Filmemacher Jean Negulesco. Er war in vielem, auch was den Künstler anging, der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit, ein Pariser in Amerika, gewissermaßen. Von Geburt war er Rumäne, aber er zog früh nach Paris, um als Maler zu reüssieren. Dort lernte er Constantin Brâncuși kennen, einen Landsmann, zählte Modigliani und Picabia zu seinen Freunden, Picasso, Man Ray und Cocteau. Erfuhr die Mühsal der Pariser Künstler, ungeheizte Ateliers, Tage in den Cafés, schnell gefertigte Skizzen gegen ein paar Francs, Suche nach Anerkennung und Mäzenen.

Negulescos Bilder sind impulsiv und impressiv, skizzenhaft in der Schwebe wie die von Picasso und Cocteau, ein Schwung umreißt die Körper, der in der Bewegung verharrt, ohne sie abzuschließen. "Things I Did ... and Things I Think I Did" heißt seine Autobiografie, in der er sein Leben schildert, zwischen Selbstironie und Mythos. Er kam nach Hollywood über die Côte d'Azur, wo er sich als Gigolo verdingte im Hotel Negresco in Nizza, Valentino begegnete und dem Regisseur Rex Ingram. Auch in den USA war er ein ladies' man, der begehrte Single - er hatte keine Probleme mit dieser Rolle. "Müde Studioleute und eifrige Produzenten baten mich, ihre Frauen und Mätressen zu Premieren und glamourösen Partys zu begleiten. Sie sollten es bereuen. Ich wurde der Vertraute der Frauen und oft ihr Untergang." Anfang der Dreißiger wollte Negulesco dann selbst ins Filmbusiness.

Seine erste große Aufgabe war die Vergewaltigungsszene in der Verfilmung von Faulkners Skandalroman "Sanctuary" (Filmtitel "The Story of Temple Drake", 1933). Jean Negulesco bastelte ein stilisiertes Storyboard, düster aber dezent. Faulkner dankte ihm, dass ein Film entstanden sei, für den er sich nicht genieren musste. 1944 drehte Negulesco dann sein erstes großes Filmprojekt, "Die Maske des Dimitrios", nach Eric Ambler, fürs Studio Warner. (Zuvor, erzählt er, habe er den "Malteser Falken" vorbereitet, den ihm dann John Huston wegschnappte.) Eine Vergewaltigung gab es auch 1948 in "Johnny Belinda", einem Drama aus dem kargen Nova Scotia, mit Jane Wyman als taubstummem drangsalierten Mädchen, sie bekam den Oscar dafür. Negulesco wurde nach diesem Film von Warner gefeuert.

In diesem Jahr fuhr er mit seiner Frau Dusty nach Paris und besuchte die renommierte Galerie Drouant-David. Deren Eigentümer hatte eben einen Deal mit dem unbekannten Bernard Buffet gemacht, Negulesco kaufte 21 seiner Bilder und traf auch den jungen Maler: "Er sah aus, als wäre er aus einem seiner eigenen Bilder herausgestiegen. Er war groß und mager, mit einem nervösen Gesicht, einer langen Adlernase, eingefallenen Wangen, gebeugten Schultern. Versuchte zu lächeln, ohne zu wissen wie, und konfrontierte uns so eine gezwungene Grimasse ..."

Natürlich hat Buffet auch ein Bild von Negulesco geschaffen, da hat der leutselige Bonvivant die gleiche griesgrämige hungerleidige Statur wie all die anderen Buffet-Trinker, die Clowns und Christusfiguren. Und später hat Buffet Entwürfe geliefert für den Film "Jessica" des Freundes. Negulesco wurde der Sammler Nr. 1 von Buffet, mehr als 150 seiner Werke besaß er. In Hollywood konnte er einige in seinen Filmen unterbringen, seine Freunde kauften eifrig, Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Alfred Hitchcock, Charles Boyer, Kirk Douglas und John Huston.

Hollywood und die französische Moderne, das ist ein weites Feld. Die Bilder waren präsent, virtuell und als Inspiration, in den Filmen von Vincente Minnelli, Negulesco, Albert Lewin. Negulesco kam in den Fünfzigern beim Studio Fox unter, wurde dort berühmt für seine frühen Cinemascope-Stücke, die die Luxuswelt und den Reichtum zelebrierten: "Wie angelt man sich einen Millionär?" mit Marilyn Monroe und Lauren Bacall, "Drei Münzen im Brunnen", "Die Welt gehört der Frau". Das war wie eine Befreiung von der gezackten Enge und Misere der Buffet-Welt.

Wie bei vielen Erfolgsgeschichten gibt es auch hier eine absurde Seitenlinie. 1948 war Charles Feldman in Paris, erfolgreicher Produzent und Agent, auch der von Negulesco. Als Negulesco von seiner Entdeckung Buffet erzählte, erwarb Feldman eilends zehn Bilder, ohne sie gesehen zu haben, als Weihnachtsgeschenke für Verwandte und Freunde. Als er die Kunstwerke zu Hause auspackte, war er schockiert, das seien lauter "hungernde Howard Hughes", fand er- die Figuren erinnerten ihn offenbar an den berühmten Filmproduzenten, der im Alter verwahrlost und abgemagert war. Feldman ließ sie im Keller verschwinden. Auf einer Party später schickte er seine Freunde hinunter, sie dürften je zwei davon mitnehmen. Auch Negulesco nahm zwei. Jahre später, Buffet war bereits ein Markenname, fragte Feldman diskret: Ob Jean ihm nicht seine zwei Leihgaben zurückgeben könnte?

© SZ vom 14.11.2020
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