Familie:Ethikrat informiert über "reproduktives Reisen"

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Der Berufsverband der Frauenärzte hat diese Woche verkündet, die Publikumsmesse "ausdrücklich nicht" zu unterstützen. Es sei "nicht zuverlässig sichergestellt, dass bei allen Ausstellern die Gesundheit der behandelten Paare immer an oberster Stelle steht und Vorrang vor finanziellen Erwägungen hat", heißt es in einer Erklärung. Auch der Verein Spenderkinder, in dem sich junge Erwachsene zusammengetan haben, die durch Samenspende entstanden sind, sieht die Messe kritisch und beruft sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2015: "Mehrere Aussteller bieten anonyme Samenspenden an. Dies widerspricht eindeutig dem in Deutschland geltenden Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung." Ein Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht die Einrichtung eines zentralen Samenspenderregisters noch in diesem Jahr vor.

Mehrere IVF-Zentren habe ihre Teilnahme an der Messe inzwischen abgesagt, ebenso Experten, die einige der 60 Vorträge halten sollten. Nicht so Claudia Brügge vom Verein DI-Netz, die über "Familiengründung mit Spendersamen" sprechen wird. "Menschen, die problemlos Kinder bekommen, können sich manchmal das ungeheure Leid von Menschen mit schweren Fruchtbarkeitsstörungen nicht vorstellen." Sie sieht sich als "gutes Gegengewicht" zu den ausländischen Sponsoren der Messe: "Es ist eine Möglichkeit, einem breiten Publikum unsere psychosoziale Unterstützung bekannt zu machen."

Embryoschutz

Das Embryonenschutzgesetz (ESchG) vom 13. Dezember 1990 regelt die Grenzen der Fortpflanzungsmedizin und der Gentechnik in Deutschland. Strafbar ist danach die gezielte Erzeugung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken oder zur kommerziellen Verwertung. Auch die gezielte Festlegung des Geschlechts des künftigen Kindes und die Leihmutterschaft ist nicht erlaubt. Ebenso die Eizellenspende, durch die auch Frauen, in deren Eierstöcken keine Eibläschen heranreifen, schwanger werden können. Samenspenden hingegen sind erlaubt, allerdings nur dann, wenn die Identität des Spenders hinterlegt wird. Ulrike Heidenreich

Dass sich unter dem Publikum auch der eine oder andere Ermittler informieren wird, ist absehbar. Es wäre nach dem Heilmittelgesetz verboten, ärztliche Behandlungsverfahren bei Patienten zu bewerben. Handelt es sich dabei auch noch um verbotene Verfahren, käme auch noch der Straftatbestand der Beihilfe hinzu.

David McAllister, nicht verwandt mit dem gleichnamigen CDU-Politiker, ist Veranstalter der Kinderwunschtage und sich dieser Problematik bewusst: "Die Aussteller haben sich mit einem Verhaltenskodex verpflichtet, keinerlei werbliche Handlungen durchzuführen, Erfolgszahlen oder Preise zu nennen", sagt er. Wunscheltern könnten, "ohne großen Reiseaufwand einen ersten Kontakt zu ausländischen Kliniken knüpfen".

Wer unbedingt ein Baby haben möchte, lässt sich nicht von Grenzen aufhalten. Und so geht auch der Deutsche Ethikrat auf diesen Babyboom ein. Der Titel einer Tagung im März, ebenfalls in Berlin, lautet: "Eizellspende im Ausland, Konsequenzen im Inland". Referentin Petra Thorn hat eine neue Bezeichnung dafür gefunden: reproduktives Reisen.

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