Halb Nahrung, halb Medikament Überlebensmittel

Ein Drink gegen Demenz, Müsli gegen Krebs: Nahrungsmittelkonzerne wollen die Grenzen zwischen Lebensmitteln und Medikamenten aufweichen. Das kann Millionen einbringen - ist aber höchst umstritten.

Von Katrin Blawat

Und was ist mit Krebs? Es wird sich doch wohl irgendeine Joghurt- oder Frühstücksflocken-Sorte entwickeln lassen, die gegen die bösartigen Wucherungen schützt? So abwegig der Gedanke klingt, kommt er einem dennoch in den Sinn, wenn man die Pläne des Lebensmittelkonzerns Nestlé hört.

Eine Tomate gegen Diabetes? Zukunftsmusik - noch. Lebensmittelkonzerne hoffen auf das Geschäft mit angeblich heilender Nahrung.

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Von 1. Januar an will dessen neugegründete Tochtergesellschaft Health Science SA Lebensmittel entwickeln, die gängigen Leiden entgegenwirken sollen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Alzheimer und Übergewicht. Mehrere hundert Millionen Schweizer Franken will das Unternehmen dazu in den kommenden zehn Jahren auch in sein Institute of Health Sciences investieren. Bereits vor drei Jahren hat Nestlé dem Pharmaunternehmen Novartis die Krankenkost-Sparte abgekauft, für etwa 2,1 Milliarden Euro.

Indem sie die Grenzen zwischen Lebensmitteln und Medikamenten aufweichen, hoffen Nahrungsmittelkonzerne auf neue Einnahmequellen. Dass die meisten der angeblich gesundheitsfördernden Lebensmittel ihre segensreiche Wirkung erst noch beweisen müssen, stört offenbar weder die Unternehmen noch die Verbraucher. "Die Chancen sind groß. Die Risiken sind groß. Und die Belohnung ist groß", sagte kürzlich Luis Cantarell, künftiger Chef der Nestlé Health Science SA.

Sogenanntes Functional Food gibt es zwar seit Jahren, etwa Joghurt für bessere Abwehrkräfte, Margarine für ein starkes Herz, sogar ein Bier gegen das Altern - alles Produkte, die Gesunde noch gesünder machen sollen. Gegen das, wovon die Unternehmen nun träumen, wirken die bisherigen Angebote jedoch nur wie Fingerübungen. Fortan enthalten die Lebensmittel aus dem Labor die Verheißung, dass sogar bislang unheilbare Krankheiten wie Alzheimer ihren Schrecken verlieren.