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Expertentipps zur Erziehung:"Trösten hilft eher älteren Kindern"

Und dann nehmen Eltern ihre Kinder tröstend in den Arm und alles ist gut?

Wenn es so einfach wäre. Trösten hilft eher bei älteren Kindern, während die Kleinen in der Autonomiephase in ihrem Wüten meist gar nicht in den Arm genommen werden wollen. Da ist es besser, sie - wenn möglich - wüten zu lassen, aber zu signalisieren: Ich bin da, wenn du mich brauchst. Also sich als Eltern nicht entsetzt abwenden, weil sich das Kind so aufführt und ihm damit ihre Liebe entziehen. Lassen Sie es sich abreagieren, solange es nicht sich selbst oder andere gefährdet. Es hilft, wenn das Kind hört, dass Mutter oder Vater in der Nähe sind und es zu ihnen kommen kann, wenn es sich beruhigt hat.

Wie fällt das dem Kind leichter?

Da gibt es kein Patentrezept. Manchmal funktionieren Ablenkung oder ein Kompromissvorschlag, wenn das Kind schon ein wenig ruhiger geworden ist. Manche spontanen Lösungen sollten Eltern allerdings später hinterfragen, ob sie so richtig waren: Mir selbst ist es mal passiert, dass meine Tochter einen heftigen Wutanfall im Kaufhaus hatte und gar nicht mehr mit dem Schreien aufhören konnte. Irgendwann habe ich laut gefragt, ob jemand wisse, zu wem eigentlich dieses Kind gehöre? Da nahm sie ganz schnell meine Hand. Das würde ich heute nicht mehr so machen, sie hatte da sicher Angst, verlassen zu werden. Aber auch Eltern machen Fehler.

Über die sie mit ihren Kindern reden sollten?

Das kommt auf den Entwicklungsstand des Kindes an. Wenn die Mutter und der Vater vor einem Dreijährigen streiten, ist er zutiefst verunsichert. Erst ältere Kinder wissen, dass die Eltern ein eigenes Innenleben haben, ihre eigenen Meinungen, und sie kennen Streit mit ihren Spielkameraden. Ansonsten ist es aber sehr wichtig, dass die Eltern vermitteln, dass sie selbst manchmal Wut im Bauch haben, dass solche Gefühle ganz normal sind. Auch nach einem Gefühlsausbruch des Kindes sollten sie signalisieren, dass das zum Größerwerden dazugehört und dass sie wissen, wie schwierig der Umgang mit Emotionen ist.

Hilft das auch schon in der Situation selbst?

Unbedingt. Wenn Eltern die Gefühle benennen, "Du hast jetzt aber eine Wut, weil du noch warten musst", merken die Kinder: Sie kümmern sich um mich und verstehen, was mit mir los ist - ich bin nicht allein mit meinem Zorn und der Enttäuschung. Dann wissen sie, die Eltern sind immer auf ihrer Seite. Und das ist das Wichtigste überhaupt.

Professor Hartmut Kasten ist Entwicklungspsychologe, Frühpädagoge und Familienforscher und lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er hat unter anderem den Ratgeber "0 bis 3 Jahre. Entwicklungspsychologische Grundlagen" verfasst.

Wenn Kinder von Kleinigkeiten enttäuscht werden, heulen sie vor Wut, werfen sich auf den Boden oder springen herum wie kleine Teufel. Eltern müssen dann an sich halten, um nicht zu schimpfen - oder zu lachen. Die Erziehungs-Kolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn"

© Süddeutsche.de/bavo/rus
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