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EU-Studie zu Homosexuellen: "Ich wurde gedemütigt, geschlagen und beschimpft"

Welttag gegen Homophobie

Öffentliches Küssen: Nicht überall auf der Welt so problemlos möglich wie hier in Puebla, Mexiko, auf dem Welttag gegen Homophobie.

(Foto: AFP)

Homo- und transsexuelle Menschen werden noch immer öffentlich diskriminiert: Auch in Deutschland berichten einer aktuellen Umfrage zufolge fast die Hälfte von Schikane und Benachteiligung im vergangenen Jahr. Lesbische Frauen sind relativ gesehen am stärksten betroffen. Doch auch das Alter ist entscheidend.

"Ich bin bisher nur wenige Male diskriminiert worden", erzählt eine junge lesbische Frau. Doch das liege daran, dass niemand wisse, dass sie Frauen liebt. Nicht ihre Bekannten, nicht alle ihre Freunde und nicht ihre Familie. Die 21-Jährige wagt es nicht, ihre sexuelle Orientierung preiszugeben. Wie ihr geht es vielen homosexuellen, bisexuellen und transsexuellen Menschen in Europa. Dies zeigt die aktuelle Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).

Für die Onlineumfrage wurden 93.000 Menschen in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Kroatien befragt. Die Umfrage war damit laut FRA die größte ihrer Art. Dabei gaben mehr als ein Viertel der Befragten an, sie seien in den vergangenen fünf Jahren wegen ihrer sexuellen Orientierung körperlich oder verbal angegriffen worden. Im Verhältnis besonders stark betroffen sind lesbische Frauen. 55 Prozent der 15.236 befragten Lesben gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert oder bedroht worden zu sein. 45 Prozent der 57.448 befragten schwulen Männer berichteten von ähnlichen Erfahrungen.

Im Ländervergleich ist die Diskriminierung lesbischer, schwuler, bisexueller und transsexueller Menschen (LSBT) demnach in den Niederlanden und Dänemark vergleichsweise am geringsten, doch auch dort berichten etwa 30 Prozent der Befragten von Diskriminierung und Bedrohung im vergangenen Jahr. Besonders groß ist das Problem in Mittel- und Osteuropa, in Ländern wie Kroatien und Litauen (etwa 60 Prozent). Deutschland liegt im Mittelfeld: Hier gaben 46 Prozent der Befragten an, in den vergangenen 12 Monaten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert oder schikaniert worden zu sein.

Diskriminierung beginnt häufig bereits in der Schule

Die Umfrage zeigt auch: Je jünger und ärmer die Befragten sind, desto häufiger werden sie aufgrund ihrer Sexualität angegriffen. Im europäischen Durchschnitt hätten 91 Prozent der LSBT-Schüler negative Kommentare und ablehnendes Verhalten erlebt, weil sie schwul, lesbisch, bi oder transsexuell waren. Dementsprechend hätten 67 Prozent der Befragten ihre sexuelle Orientierung während der Schulzeit verheimlicht.

"Die Mitgliedsstaaten müssen dafür sorgen, dass sich LSBT-Schüler in der Schule sicher fühlen, da dies der Ort ist, wo die negativen Erfahrungen, die sozialen Vorurteile und die Ausgrenzung der LSBT oft beginnen", heißt es in der Studie.

Eine 29-jährige Transgender-Person, die an der Studie teilnahm, berichtet von drastischen Erfahrungen: "Ich wurde gedemütigt, geschlagen und beschimpft - von Leuten, die ich kenne und von Unbekannten. Ich wollte, dass die Menschen um mich herum einsehen, dass ich ein Mensch wie jeder andere bin." Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass besonders Transgender-Menschen häufig auch körperliche Gewalt erfahren: Demnach wurden 28 Prozent der Transgender-Befragten im vergangenen Jahr mehr als drei Mal gewaltsam angegriffen oder bedroht.

Auch wenn sie häufig attackiert werden, gehen doch die wenigsten Befragten damit zur Polizei: Im EU-Durchschnitt meldeten nur 22 Prozent der körperlich Angegriffenen den Vorfall der Polizei. Als Grund dafür, keine Anzeige zu erstatten, gaben etwa 60 Prozent an, dass dies nichts an ihrer Situation ändern würde.