Zukunft des Kinos:Das Kino ist tot, es lebe der Film

Doch kann einen ein Spiel so erfassen wie eine große Geschichte? Nicht solange wir auf einen Bildschirm starren und mit einem Controller herumfuchteln, glaubt Spielberg. Lucas, der Technikfreak, redet sich hingegen in Begeisterung: Mit Computern werde man sich bald unterhalten können, es werde Hirn-Implantate geben, sodass man Spiele direkt mit den Gedanken steuern könne.

Wie viel Einfluss hat sie eigentlich, die Technik, auf das Filmemachen? Soviel wie es braucht, um - na was? - eine Geschichte zu erzählen. Da sind sich die beiden Hollywood-Legenden einig.

"Als ich 'Jurassic Park' gedreht habe, da wollte ich keine Dinos mit Stop-Motion mehr, wie sie Ray Harryhausen gemacht hat", erzählt Spielberg, "das sah mir zu sehr nach einem Abenteuerfilm aus den 50er-Jahren aus." Also setzte er auf digitale Animation, der Rest ist Geschichte - im doppelten Wortsinn.

It's the story, stupid!

Was sich zurzeit dramatisch verändert, ist der Marktplatz für die Geschichtenerzähler. Früher, sagt Lucas, hätten die Distributoren alles beherrscht, doch heute ist alles zerfasert in viele einzelne Kanäle, am meisten natürlich durch das Internet. Alles ist immer verfügbar, meint auch Spielberg: "Die große Gefahr bei der Sache ist: Die Studios geben lieber 250 Millionen Dollar für einen Blockbuster aus, als dass sie zehn wichtige Filme machen, die womöglich in dem riesigen Angebot untergehen. Der Tag hat ja nur 24 Stunden."

Stirbt also das Kino? Ja, sagen die beiden Großmeister, das Kino werde implodieren, aber es lebe der Film. Denn viele gute Filme werden mittlerweile gleich fürs Fernsehen oder für Internetdienste produziert. Ins Kino zu gehen, meint Lucas, werde ein Luxus werden wie heute ins Theater oder in die Oper zu gehen.

Lucas ist jedoch regelrecht begeistert von den neuen Möglichkeiten, die sich auftun: "Für Kreative ist jetzt die beste Zeit, wo vieles Überkommene in Schutt und Asche liegt." Und was rät Spielberg den Studenten? "Es gibt nichts, was man in dieser Branche nicht tun kann, aber überlegt euch, was ihr erzählen wollt." It's the story, stupid!

© SZ vom 19.06.2013/jspe
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