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Zensur in Ungarn gegen Esterházy:Antworten - offenbar nicht ungarisch genug

Anders liegt die Sache in der Kulturpolitik, die weniger im Fokus des öffentlichen Interesses steht. Hier greift die Politik massiv und unbeeindruckt von der Außenwirkung durch. So war die Arbeit des scheidenden Chefs des Nationaltheaters, Robert Alföldi, für den sich Esterházy verwendet hatte, den neuen Herren in Budapest schon mehrmals aufgestoßen: Erst hatte er Werbung für eine Aufführung mit einem rosa Riesenpenis gemacht und dann laut Pester Lloyd in seiner Inszenierung der "Menschlichen Tragödie" von Imre Madách Gruppen- und Oralsex angedeutet.

"Es würde meiner Heimat gut tun"

Daraufhin habe, berichtet politics.hu, eine Reporterin des rechtspopulistischen Senders Nemzeti 1 (er wird von der rechtsradikalen Jobbik-Partei betrieben) Robert Alföldi gefragt, ob er denke, dass Kinder so etwas sehen sollten. Alföldi konterte, er wünsche auch der Reporterin schön viel Oralsex, am besten ein Leben lang. Das war dem Minister für Nationalressourcen zu viel, er ließ eine Untersuchung einleiten. Nun muss Alföldi gehen.

Reihenweise werden allerorten Künstler, die dem neuen, patriotischen, neorealistischen Stil nicht entsprechen, durch konservative, traditionalistische Regisseure, Dirigenten, Museumsdirektoren ersetzt. Selbst als der Budapester Bürgermeister einen bekennenden Antisemiten zum Intendanten des Neuen Theaters hatte ernennen wollen, fiel ihm die Regierung nicht in den Arm; der Mann starb allerdings, bevor er bestallt werden konnte. Zuletzt hatte es kurz vor Weihnachten Aufregung um den Leiter der Kunsthalle Budapest (Mücsarnok) gegeben.

Gábor Gulyás legte sein Amt aus Protest nieder, nachdem die Leitung seines renommierten Hauses der "Ungarischen Kunstakademie" übertragen worden war - einem Zusammenschluss national gesonnener Künstler, der vom Kultusministerium die Prokura erhielt, in Zukunft sowohl über das Programm der Kunsthalle wie der Redoute zu entscheiden. Gábor Guylás hatte zuvor eine Ausstellung zur Frage "Was ist ungarisch?" kuratiert. Die Antworten, die er gefunden hatte, waren offenbar nicht ungarisch genug ausgefallen.

Ach ja, Péter Esterházy äußert sich übrigens durchaus kritisch-politisch - wenn man ihn direkt fragt: "Es würde meiner Heimat gut tun, wenn es einen Regierungswechsel gäbe", erklärt er. Das sage er "als Patriot".

© SZ vom 09.01.2013/ihe/pak
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