"Transformers: Ära des Untergangs" im Kino:Chinesische Darsteller neben Hollywood-Cast

Lesezeit: 4 min

Die "Transformers 4"-Macher platzieren gezielt chinesische Darsteller neben einem Hollywood-Cast, die teilweise über eine chinesische Casting-Show ermittelt wurden; der Film spielt zu großen Teilen in Hongkong und Shanghai und ist mit chinesischen Geldern koproduziert. Dortige Sender haben sich am 160-Millionen-Dollar-Budget der Riesenproduktion beteiligt, und da solche Deals, zumal mit amerikanischen Unternehmen, in China nur mit dem Okay der Regierung zustande kommen können, ist Hollywoods Mission Osteroberung sozusagen sogar staatlich legitimiert.

Und die Strategie scheint sich auszuzahlen: Der Film spielte in China in der ersten Startwoche unglaubliche 90 Millionen Dollar ein, dort der beste Start eines US-Films aller Zeiten. Mittlerweile ist er auf dem besten Weg, in China einer der ertragreichsten US-Filme überhaupt zu werden - ein Erfolg, den viele Produzenten kopieren werden, nicht nur in Amerika. Woraus natürlich die Frage folgt, ob künftig die Bedürfnisse der chinesischen Kinobesucher bestimmen werden, was die Zuschauer auf der ganzen Welt zu sehen bekommen - frei nach dem Motto: Eins Komma drei Milliarden Chinesen können nicht irren.

Klischeebehaftete Landsleute

Um diese Frage zu beantworten, kann man sich allerdings nicht hinter Einspiel-Bilanzen und Analysten-Prognosen verschanzen, sondern muss direkt an die Front: 165 Minuten "Transformers 4", natürlich in 3 D.

Und wenn man davon ausgeht, dass Chinesen auch nicht blöder sind als der Rest der Welt, dann gehen die zahlreichen chinesischen Zuschauer garantiert nicht aus Heimatliebe in diesen Film. Denn die Landsleute, die sie hier zu sehen bekommen, entsprechen in etwa den Oktoberfest- und Naziklischees, mit denen die Deutschen lange im US-Kino leben mussten: Die chinesischen Frauen sind unterkühlte, intrigante Femmes fatales, haben sich also seit der Zeit des Film noir der Dreißigerjahre nicht verändert - und die Männer können alle Kampfsport.

Wenn man dann noch dazuaddiert, dass diverse Teile jener Szenen, die in Shanghai spielen, in Detroit gedreht wurden, muss es etwas anderes sein, das die Chinesen in diesen Film zieht. Und das hat nichts mit Patriotismus, sondern mit jenem herrlichen Fernweh zu tun, das Hollywood seit jeher verkauft: der puren Lust aufs Americana. Diese wird hier ins chinesische Hinterland geschmuggelt, wo Hunderte neue Kinos entstanden sind und der Name Michael Bay noch etwas, nun ja, Jungfräuliches hat - vorbei an der zentralen chinesischen Filmbehörde, der man dafür die genannten Zugeständnisse macht.

Fünf Sonnenuntergangssequenzen

Und wenn man dem viel gebuchten Werbefilmer Michael Bay eines lassen muss: Er kann Mark Wahlberg beim Feierabendbier auf der Terrasse seiner Ranch tatsächlich so ins Licht der sinkenden Sonne tauchen, dass man wenigstens kurz über einen Umzug nach Texas nachdenkt (es gibt in "Transformers 4" fünf solcher Sonnenuntergangssequenzen).

Bays restliches Interesse gilt dann dem möglichst wackeligen Einsatz seiner Imax-3D-Kameras sowie den langen Beinen seiner neunzehnjährigen Hauptdarstellerin Nicola Peltz. Die sind braun gebrannt, aber nicht zu braun - ein beinbraun also, das ganz famos mit der Farbe ihrer ausgewaschenen hellen Jeansshorts kontrastiert, deren noch etwas hellere Innentaschen natürlich aufgrund des aktuellen Sommermode-Imperativs unter den Shorts herausgucken. Ob das reicht, um ein Kinoticket kaufen zu wollen, muss jeder Chinese, Amerikaner, Deutsche oder Transformer für sich selbst entscheiden.

Transformers: Age of Extinction, USA 2014 - Regie: Michael Bay. Buch: Ehren Kruger. Kamera: Amir Mokri. Mit: Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Nicola Peltz. Paramount, 165 Minuten.

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