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Thriller "The Infiltrator":Qualen, Dilemmata und Herzschlagmomente

Das Lügengebäude, das er dafür aufbauen musste, wurde nach und nach ein wahrer Palast. Er erfand eine elegante Verlobte, die dann von einer Kollegin gespielt werden musste (im Film eine überzeugende Diane Kruger), schließlich organisierte er sogar eine Traumhochzeit für sich selbst. Dabei wurden dann die Gäste - Schattenmänner, Schattenbanker, Kartellmitglieder - allesamt festgenommen. Mammutprozesse folgten, am Ende reichten die Beweise sogar für ein Urteil gegen Panamas Machthaber Manuel Noriega.

Der echte Robert Mazur hat schon den Regisseur Michael Mann beraten, als dieser seine Undercover-Storys in "Miami Vice" erzählte, und hat - von diesem ermutigt - seine Abenteuer schließlich in dem Bestseller "The Infiltator" aufgeschrieben. Die Spannung in dieser Geschichte - rechtschaffener Beamter und Familienvater mit klaren moralischen Prinzipien wird zu einem Hauptdarsteller in Miamis Südenpfuhl - verlangte geradezu danach, auf Bryan Cranstons Gesicht ausgetragen zu werden. Qualen, Dilemmata, Herzschlagmomente von der drohenden Enttarnung gibt es dafür genug.

Bryan Cranston

Auch als Walter White in "Breaking Bad" war Bryan Cranston immer in Lebensgefahr.

(Foto: Frank Ockenfels, Amc, dpa)

Nur die Wucht von Breaking Bad, die erreicht der Film am Ende dann doch nicht ganz. Und das hat wahrscheinlich drei Gründe. Erstens will "The Infiltrator" in der Nähe der Realität bleiben, und diese war in den Achtzigerjahren noch nicht ganz so brutal wie etwa heute in Mexiko, und auch nicht so blutig und verrückt wie die gängigen Narco-Fantasien. Gemessen an einer Dramaturgie, die ohne Einschränkungen fabulieren kann, wirkt das alles irgendwie gebremst.

Merkwürdige Verwirrungseffekte durch die Verkörperung Mazurs

Zweitens geraten alle Schauspieler in einen merkwürdigen Konflikt, wenn sie Undercover-Figuren in einer falschen Identität spielen müssen. Diese sind schließlich selbst nichts anderes als Schauspieler, aber eben keine Profis. Man sieht dann also einem unschlagbaren Könner wie Bryan Cranston dabei zu, wie er einen halben Film lang einen etwas wackligen Schauspiel-Amateur namens Robert Mazur verkörpert - das führt zu merkwürdigen Verwirrungseffekten.

Drittens schließlich, und das ist wohl entscheidend: Robert Mazur lebt natürlich noch, und er ist immer noch ein rechtschaffener Pensionär und Familienvater mit klaren Prinzipien. Das färbt seine Geschichte bis in den Film hinein. Der Mann hat fünf Jahre ein Wahnsinnsleben gelebt, er hat seinen Auftrag erfüllt und viele Verbrecher hinter Gitter gebracht. Aber wie sehr er das Lügen dabei auch genossen hat, und wie sehr die ständige Lebensgefahr dabei seine eigene Droge geworden ist, besser als jedes Kokain - das kann der Film nur andeuten. Man vermutet, dass dahinter noch ganz andere Wahrheiten liegen, über die ein rechtschaffener Pensionär und treuer Familienvater dann doch lieber schweigt.

Bei Walter White dagegen, denkt man am Ende und vermisst ihn sehr, wären auch diese Dinge noch gnadenlos ans Licht gekommen.

The Infiltrator, USA 2016 - Regie: Brad Furman. Buch: Ellen Brown Furman. Kamera: Joshua Reis. Mit Bryan Cranston, John Leguizamo, Diane Kruger, Benjamin Bratt. Paramount, 127 Min.

© SZ vom 29.09.2016/sars

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