"Star Wars" Weg mit den Frauen

Laura Dern als Vize-Admiral Holdo.

(Foto: imago)

Im "Star Wars"-Universum gibt es inzwischen so viele Frauen wie nie. Einem Fan der Saga war das zu viel. Deshalb hat er sie einfach rausgeschnitten.

Von David Pfeifer

Beginnen wir mit dem Spoiler Alert: Wer "Star Wars: Die letzten Jedi" noch nicht gesehen hat, sollte die folgenden Zeilen nicht lesen, weil darin Entscheidendes zur Handlung verraten wird. Außerdem: Wer "Die letzten Jedi" gesehen hat, aber "Star Wars" ganz generell nicht so wahnsinnig bedeutend findet, der wird von den folgenden Zeilen nichts haben.

Wer weiterliest, ist also Fan und weiß bereits, dass sich im "Star Wars"-Universum viel getan hat, was die Sache der Frau angeht, seitdem George Lucas den ersten Film der Saga 1977 auf den Markt brachte.

Als der "Krieg der Sterne" damals lief, wunderte sich kaum jemand, dass im gesamten Universum quasi nur eine Frau in einer tragenden Rolle zu sehen war: Prinzessin Leia. In den filmisch eher missglückten ersten Teilen aus den frühen 2000er-Jahren gab es dann schon mehr Frauen, allerdings häufig nur als Statistinnen. Es wurde gemurrt, weil Quote zu dieser Zeit bereits ein Thema war, aber George Lucas, ein Pionier des Blockbuster-Kinos, der wie sein Mitstreiter Steven Spielberg nie wirklich etwas mit weiblichen Charakteren anfangen konnte und der "Episode I" wieder selbst inszeniert hatte, bekam wenig Kritik dafür, dass es wieder nur eine große weibliche Rolle gab: Königin Amidala (die oft inkognito als Padmé auftritt), gespielt von Natalie Portman. Den Bechdel-Test (Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?) hätte der Film sowieso nicht bestanden.

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Vierzig Jahre später sieht das "Star-Wars"-Universum anders aus. "The Last Jedi", so der Original-Titel, ist genderneutral, weil der Artikel im US-Amerikanischen keinen Rückschluss auf das Geschlecht zulässt. Außerdem ist aus der niedlichen Prinzessin Leia eine gestandene Frau geworden, die zwar aus Gründen, die der Gesamthandlung nicht dienen, die überwiegende Zeit des Films im Koma liegt, aber in ihren wachen Momenten klare Ansagen macht. Ihre Vertretung ist eine Frau mit lila Haaren, die Vize-Admiral Holdo gerufen wird. Man kann diesen Charakter erst einmal hassen, doch am Ende dreht sich die Perspektive: Der Mann, der rebellische Heißsporn Poe, ist der Depp, und Frau Holdo hatte recht.

Rebellische Jungs werden abgewatscht

Es tritt sogar ein weiblicher Stormtrooper auf, Captain Phasma, ganz in Silber, eine Art Disco-Trooper, sie ist, weil der Gag einfach zu nahe liegt, um ihn nicht zu machen: ein "Super Trooper". Sie tanzt zwar nicht zu Abba, kämpft aber beeindruckend, was daran liegt, dass unter dem Helm Gwendoline Christie schnauft, die auch in "Game of Thrones" als Brienne ein großes Schwert schwingt.

Mit alldem muss man erst einmal klarkommen, wenn man als Junge mit "Star Wars" aufgewachsen ist, in einem Universum mit nur einer Frau und sehr vielen Kumpels. Heute sind im "Star Wars"-Kosmos alle wichtigen Posten von Frauen besetzt, und die rebellischen Jungs werden ordentlich abgewatscht, wenn ihnen das Testosteron mal wieder die Sinne vernebelt.

So unerträglich erschien das einem Fan, dass er sich die unglaubliche Mühe machte, eine Version des "Letzten Jedi" zusammenzuschneiden, aus der sämtliche Frauen entfernt wurden. Sie ist auf Torrent-Seiten wie "Pirate Bay" zu finden, ein bisschen Aufwand muss man schon betreiben, um ein "Star Wars"-Universum ohne Frauen zu finden, aber es gibt offenbar eine große Sehnsucht danach, was nach der deprimierenden Debatte um die vier weiblichen "Ghostbusters" im Jahr 2016 vermutlich nicht verwundern sollte.

Da Frauen im "Letzten Jedi" aber tragende Rollen spielen, dauert die Fan-Version nur noch 46 Minuten, etwa so lang also, wie die Kino-Version deutlich zu lang war. Die Dreiviertelstunde jedenfalls, in der "Die letzten Jedi" sich etwas hinzogen, ist voll von leicht vertrottelten Männerideen. Sie zeigt vor allem den Han-Solo-Erben Poe, der mit der Unterstützung eines Code-Meisters eine Verschlüsselung knacken muss, die am Ende niemandem nützt, weder der Allianz noch den Rebellen, noch der Handlung des Films. Dramaturgisch sollte man also eher die Männer weiter rausschneiden.

Die 46-Minuten-Version ohne Frauen allerdings verzichtet auf tragende Rollen, um eine Welt zu bewahren, die auch in den 1980er-Jahren schon sehr fantastisch war. Der "De-Feminized Fan Edit" soll laut Selbstbeschreibung ein "Last Jedi ohne Girlz Power und anderen albernen Kram sein". Doch die Version funktioniert schlicht nicht, genauso wie die Welt oder das Universum ohne Frauen nun mal vorwiegend sehr öde wäre. Die männlichen Hauptdarsteller, allen voran Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill, betwitterten den Fan mit Spott. Und so wird dieser "Fan Edit" zum Dokument eines bedauernswerten Typs Mann, der zwar an Lichtschwerter glaubt, sich aber vor einer Welt fürchtet, in der Frauen etwas zu sagen haben.

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