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Doku auf Sky:Der König von Rom

Mein Name ist Francesco Totti

"Ich bin selbst ein Monument geworden", sagt Francesco Totti in der Sky-Doku.

(Foto: The Apartment / Wildside / Vision Distribution /Sky)

Im Film "My name is Francesco Totti" erzählt der Fußballer über sich selbst - und von seiner Stadt. Es ist eine Liebesgeschichte, natürlich.

Von Oliver Meiler

Diese Geschichte war auf ewig angelegt, wie die Stadt. Eine Liebesgeschichte. Und wenn sie doch einmal enden musste, an einem warmen Abend im Mai 2017, lebt sie natürlich dennoch fort, für immer. Um Rom zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf seinen jüngsten König, den Fußballer Francesco Totti, geboren 1976 im Stadtteil San Giovanni, Arbeiterklasse. An jenem Abend im Mai vor dreieinhalb Jahren, zum "Addìo di Totti" nach 25 Jahren im selben Klub, der Associazione Sportiva Roma, weinte ein Stadion voller Menschen, eine Stunde lang. 75 000, Jung und Alt, Frauen und Männer, mit zerrissenen Herzen. Eine Generation von Römern. Als erlösche eine Ära, als flögen auch die schönen Erinnerungen weg.

Im Film "My name is Francesco Totti" von Alex Infascelli ("Mi chiamo Francesco Totti" in der Orginalfassung) erzählt sich der König selbst. Es ist ein Selbstporträt mit privaten Bildern aus der Kindheit, mit Collagen aus vielen Toren, Jubelszenen, Triumphen und Verletzungen. Totti redet ganz offensichtlich ohne Skript, er gibt sich also nicht geschliffener und intellektueller, als er ist, und das passt wunderbar. Rom ist auch nicht distinguiert, nicht blasiert. Rom ist oft grob und überschwänglich.

Er hätte weggehen können, aber er blieb, obwohl die Roma nur alle paar Jahrzehnte mal etwas gewinnt

Totti schaut zurück und kommentiert mit einfachen Sätzen: "In diesem Ball steckte mein ganzer Traum." Und: "Dieses Tor war ein Liebespfeil für das Volk." Sein Volk, "la sua gente", die Anhängerschaft des AS Rom. In der Stadt gibt es noch einen weiteren Verein, die Società Sportiva Lazio, als Antithese und Nemesis. Rom lebt von dieser Rivalität, sie taktet den Alltag. Im Viertel weiß jeder vom anderen, welchem Verein er anhängt, man neckt sich, manchmal braucht es dafür nur eine Jahreszahl. Es ist verrückt und schön. In Italien nennt man Fans tifosi, das Wort kommt von Typhus, dem Fieber. In diesem Fall wuchs eine Stadt mit einem Spieler zusammen, fieberhaft symbiotisch. "Das hat es in der ganzen Welt noch nicht gegeben", sagt Totti im Film. Das muss nicht stimmen, aber Rom ist nun mal die Caput mundi, Hauptstadt der Welt.

Totti hätte weggehen können, Real Madrid wollte ihn, sie boten ihm das doppelte Gehalt. Doch der "Pupone", der große Bub, blieb bei der Roma, die nur alle paar Jahrzehnte mal etwas gewinnt. Drei Mal erst war man Meister: 1942, 1983 und 2001. Auch das gehört zum "Romanismo", dieses ständige Leiden am eigenen Unvermögen. "Ein Meistertitel ist hier so viel wert wie anderswo zehn", sagt Totti. Die Deutung ist ganz praktisch, vor allem ist sie wahr. Nach dem bisher letzten Titel vor bald zwanzig Jahren war der Circus Maximus voll, eine Million Menschen, vielleicht auch eineinhalb. An dieser Stelle im Film übernimmt Totti die Regie und sagt: "Das ist für euch." Sein Vermächtnis an die Fans, eine Stadt in Rot und Gelb.

Er wäre gerne einmal unsichtbar, sagt Totti im Film, einen Tag nur ohne Autogramme und Selfies, um auch einfach mal vor einer Sehenswürdigkeit stehen zu können. "Ich bin selbst ein Monument geworden." Er heiratete Ilary Blasi, ein TV-Showgirl, das sich so überhaupt gar nicht für Fußball interessiert hatte, bevor sie ihn kennenlernte. Drei Kinder hat das Paar, der erstgeborene Cristian spielt bei der Roma - ja wo denn sonst? Der Vater bringt ihn jeden Tag zum Training nach Trigoria, ins Vereinszentrum. Die Familie war dabei am Tag des Abschieds, an jenem Abend der zerrissenen Herzen. Sie drehte mit ihm die Runde im Olimpico, die ganze Dynastie.

My name is Francesco Totti, ab 26. Dezember auf Sky.

© SZ/cag/ebri
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