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Salzburger Festspiele:Könnte theoretisch wundervoll werden

Verena Altenberger- Jedermann Ensemble 2021

Verena Altenberger ist die neue Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen.

(Foto: © Teresa Marenzi/Salzburger Festspiele)

Ein neu inszenierter "Don Giovanni", ein "Jedermann" mit Verena Altenberger und Lars Eidinger und ein "flammender Appell für Gerechtigkeit und Miteinander": Das Programm für Salzburg steht.

Von Christine Dössel

Alle Festivals mussten in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden. Alle Festivals? Nein! Das von unbeugsamen Kunstliebhabern bevölkerte Salzburg hörte nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten, und siehe: Die Salzburger Festspiele fanden im August tatsächlich statt. Zwar in reduzierter, modifizierter Form, doch mit einem so ausgeklügelten, von medizinischen Expertinnen und Experten betreuten Hygienekonzept, dass kein einziger positiv getesteter Covid-19-Fall vermeldet wurde - weder bei den Künstlern noch beim technischen Personal noch bei den 76 500 Besuchern. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler führt seither gerne das Wort "Wunder" im Mund: das "Wunder Festspiele", das sich ereignet und weithin "ein Zeichen der Kultur" gesetzt habe.

Nun sollte man sich auf Wunder allein nie verlassen. Doch so umsichtig und zuversichtlich, wie sich das Leitungsteam am Donnerstag bei der gestreamten Pressekonferenz für die Festspiele 2021 gab, wird man auch im kommenden Sommer mit Salzburg als "the hottest spot for festivals" (Rabl-Stadler) rechnen dürfen. 168 Aufführungen an 17 Spielstätten soll es vom 17. Juli bis 31. August geben. Dazu kommt ein üppiges Jugendprogramm, das schon im Mai beginnt und auch Projekte mit Schulklassen umfasst.

Markus Hinterhäuser verspricht einen "flammenden Appell für Gerechtigkeit und Miteinander"

Zwar muss finanzbedingt auf zwei große Opern verzichtet werden, auf "Boris Godunow" und die "Zauberflöte" (letztere verschoben auf 2022). Dafür bekommt das Mozart liebende Festspielpublikum endlich einen neuen "Don Giovanni". Romeo Castellucci wird ihn zur Eröffnung inszenieren, mit Teodor Currentzis am Pult. Übernommen von den "Wunder"-Festspielen 2020 werden die gefeierten Inszenierungen "Elektra" und "Così fan tutte". Der Dirigent Ingo Metzmacher und der belgische Regisseur Jan Lauwers holen in der Felsenreitschule Luigi Nonos "Intolleranza 1960" nach. Festspielintendant Markus Hinterhäuser nennt das Werk einen "Aufschrei", einen "flammenden Appell für Gerechtigkeit und Miteinander".

In der ersten Schauspielpremiere verbindet Karin Henkel auf der Perner-Insel in Hallein Shakespeares Königsdramen "Heinrich VI." und "Richard III." unter dem Titel "Richard the Kid & the King". Die Textfassung kommt von Tom Lanoye, Autor der legendären "Schlachten!"-Aufführung von 1999. Inder Titelrolle: Lina Beckmann. Ebenfalls auf der Perner-Insel bringt Martin Kušej, Chef des Wiener Burgtheaters, Schillers "Maria Stuart" heraus, mit Birgit Minichmayr als Maria und Bibiana Beglau als Elisabeth. Jossi Wieler inszeniert im Landestheater Hugo von Hofmannsthals selten gespieltes Drama "Das Bergwerk zu Falun". Der "Jedermann" indes bleibt der alte - mit einigen Umbesetzungen: Lars Eidinger übernimmt, wie bereits gemeldet, die Titelrolle, Verena Altenberger ist die neue Buhlschaft. Geboten wird außerdem ein sehr umfangreiches Konzertprogramm, angefangen bei der "Ouverture spirituelle" unter dem Titel "Pax" bis hin zu Schwerpunkten zu Morton Feldman ("Still life") und Johann Sebastian Bach ("Himmelwärts"). Könnte theoretisch wundervoll werden.

© SZ/biaz
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Protokolle: Martin Langeder

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