"Rogue One" im Kino Das Konzept krankt ganz generell

Was fügt "Rogue One" dem noch hinzu? Der Film beantwortet eine Spezialfrage, die eigentlich gar niemand gestellt hatte: Wie genau haben die Rebellen eigentlich die Pläne erbeutet, dank derer vor langer Zeit der erste Todesstern zerstört wurde?

Der Film legt den Verdacht nahe, dass es hier doch nur ums Prinzip Zitrone geht

Jetzt erfährt man also: Es war Jyn Erso, als erwachsene Frau von Felicity Jones gespielt, die diese Mission erfolgreich bewältigt hat. Zusammen mit einem wortkargen Rebellenführer, einem abtrünnigen Frachtpiloten, einem blinden Kung-Fu-Kämpfer, einem umprogrammierten Imperiums-Roboter und noch einigen Mitstreitern mehr. Das Problem ist, dass einem all diese Figuren vollkommen gleichgültig bleiben, inklusive der Anführerin selbst. Ansätze einer Persönlichkeit zeigt allenfalls noch der Roboter, aber auch der kann mit seinen berühmteren Kollegen R2-D2 und C-3PO keinesfalls mithalten. Formal verantwortlich ist dafür der Regisseurs Gareth Edwards, der sich bisher vor allem als Dompteur von Riesenechsen ("Monsters", "Godzilla") hervorgetan hat. Wegen zahlreicher Nachdrehs und Konflikten im Schneideraum ist sein Einfluss auf den fertigen Film allerdings nicht mehr ganz klar.

Klar ist hingegen, woran das Konzept ganz generell krankt. Man hat wohl allen Beteiligten das Gefühl nicht nehmen können, hier nur auf einer Art Nebenschauplatz zu arbeiten, während die große Geschichte woanders weitergeht. Speziell beim Drehbuch wirkt es so, als hätten die Autoren mehr oder weniger lustlos die verbliebenen Leerstellen ausgefüllt, ungefähr wie beim Malen nach Zahlen.

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Und man weiß als Zuschauer ja wirklich, dass die Sache mit der Erbeutung der Pläne gelingen wird, andernfalls müsste die Geschichte von "Star Wars" ja umgeschrieben werden. So ertappt man sich während der finalen Schlacht, wo Sturmtruppen und Kampfläufer allzu episch über tropische Strände marschieren, Raumschiffe allzu langwierig einen Schutzschild attackieren und die Heldin allzu umständlich ins imperiale Datenarchiv vordringt, beinah beim Blick auf die Uhr. Ihr wisst doch alle, was hier zu tun ist - jetzt bringt es schon hinter euch!

Es kommt also alles, wie es kommen muss, und wahrscheinlich gilt das auch für die ganze Idee der Disney Studios, George Lucas sein "Star Wars"-Imperium erst für vier Milliarden Dollar abzukaufen und dann durch endloses Weiterspinnen der Saga mindestens doppelt so viele Milliarden wieder einzunehmen. Für einen Moment konnte man glauben, dass das gutgehen würde, weil der erste Film unter Disney-Ägide, J. J. Abrams' "Das Erwachen der Macht", letztes Jahr so überraschend gelungen war. Und weil Kathleen Kennedy, die Lucas zur mächtigen Nachfolgerin erkoren hatte, die Sache im Griff zu haben schien.

"Rogue One" aber legt den Verdacht nahe, dass es hier doch nur ums Prinzip Zitrone geht, bei dem jede verbliebende Idee im Krieg der Sterne so lange ausgequetscht wird, bis man sich nur noch eines wünscht: ewigen Frieden.

Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016 - Regie: Gareth Edwards. Buch: Chris Weitz, Tony Gilroy. Kamera: Greig Fraser. Mit Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelssohn, Forest Whitaker, Riz Ahmed. Verleih: Disney, 134 Minuten.

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