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"Rogue One" im Kino:"Star Wars" verfällt dem Zitronen-Prinzip

In "Rogue One" wird jede Idee so lange ausgequetscht, bis man sich nur noch eines wünscht: endlich Frieden im Krieg der Sterne.

Was immer die Kriege in der Geschichte des Universums so antreibt - imperialer Größenwahn, unstillbarer Freiheitsdrang, familiäre Konflikte in Herrscherdynastien -, irgendwann wünscht man sich nur noch eins: dass die Sache auch mal zu Ende gehen möge. Bei "Star Wars", der sicherlich am längsten andauernden militärischen Auseinandersetzung, seit es das Blockbuster-Kino gibt, ist dieser Punkt der Erschöpfung nun definitiv erreicht.

Man merkt das recht klar am Anfang von "Rogue One", dem neuen Frontbericht aus den fast schon unendlichen Annalen des Konflikts. Da landet ein Raumschiff auf einem einsamen Wüstenplaneten, ein Trupp Soldaten bringt Tod und Leid, ein Kind wird aus seinem friedlichen Leben herausgerissen, von seinen Eltern getrennt und durch grausame Umstände gezwungen, selbst die Laufbahn des Kriegers - oder in diesem Fall der Kriegerin - einzuschlagen. Man sieht das und denkt sich: nicht schon wieder.

Denn der Effekt soll ja doch ein ganz anderer sein, soll eher an das absurd euphorische Gefühl erinnern, mit dem die jungen Männer vor hundert Jahren vielleicht an die Front zogen: dass da die große Welt ruft, dass da ein junger Mensch aus der Qual der Beschaulichkeit erlöst wird, dass da ein Schicksal wartet und eine Bewährungsprobe und dass in den Auserwählten noch unglaubliche Kräfte schlummern, die sie für die ganz große Heldenreise prädestinieren.

Der vorherrschende Gedanke: Lasst die Kleine doch einfach mal in Ruhe

So war es, wie Millionen und Abermillionen Kinogänger nur allzugut wissen, bei dem jungen Luke Skywalker auf seinem staubigen Planeten Tatooine mit den zwei fahlen Sonnen. Genauso war es auch schon eine Generation zuvor, bei seinem Vater Anakin, und so war es zuletzt, eine Generation später, bei der hochbegabten Schrottsammlerin Rey in den Sanddünen des Planeten Jakku.

Aber wie oft kann man diese Formel wiederholen, bevor sie vollkommen hohl wird, ein zynisches Rekrutierungstool für frisches "Star Wars"-Kanonenfutter und junge Kinogänger in aller Welt? In "Rogue One" jedenfalls wird dasselbe Spiel schon wieder gespielt, diesmal mit einem Mädchen namens Jyn Erso, und der vorherrschende Gedanke ist: Lasst die Kleine doch einfach mal in Ruhe.

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Wie es aussieht, wenn man Sturmtruppen des bösen Imperiums auf den Malediven filmt, sieht man in dem Film "Rogue One". Gut, dass auch diese Frage geklärt werden konnte.

(Foto: Jonathan Olley/Lucasfilm)

Jyn Erso hat zudem das Pech, dass ihre Geschichte im großen Fluss der "Star Wars"-Saga nur eine Art Fußnote ist. Die übergreifende Linie des Kriegsgeschicks - das böse Imperium baut seinen ersten Todesstern, die guten Rebellen zerstören die Monsterwaffe, das Imperium schlägt zurück, dann wieder die Rebellen, das Imperium baut seinen zweiten Todesstern, die Rebellen zerstören ihn zum zweiten Mal, das Imperium sinnt auf grausame Rache - klingt auch schon recht ermüdend, ist vor allem aber längst anderswo erzählt.