Rekord-Schwarzmarkt in London 300 Pfund für ein Ticket zu Leonardo

Kritiker wie Besucher sind gleichermaßen verzückt von der großen Leonardo-da-Vinci-Ausstellung, die derzeit in der Londoner National Gallery zu sehen ist. Jetzt boomt der Schwarzmarkt wie noch nie bei einer Ausstellung. Die Gallery versucht sich zu wehren.

Von Alexander Menden

Professionelle Schwarzmarkthändler sind im Londoner West End fester Bestandteil der Stadtlandschaft: Eintrittskarten für besonders populäre Veranstaltungen werden für steilste Preise weiterverscherbelt, meist auf der Straße, gleich vor der Tür des Veranstaltungsortes. In Soho bieten ticket touts noch Minuten vor Beginn von nominell ausverkauften Konzerten oder Theatervorstellungen Karten an.

Endlose Schlangen, doch das Warten ohne Ticket ist sinnlos. Die Leonardo-da-Vinci-Ausstellung in der Londoner National Gallery ist schon komplett ausverkauft.

(Foto: Reuters)

Am angrenzenden Trafalgar Square ist dieses Phänomen unbekannt. Nun läuft aber dort, in der National Gallery, die große Leonardo-da-Vinci-Ausstellung. Sie versetzt Kritiker wie Besucher gleichermaßen in Verzücken - und ist bereits bis zu ihrem letzten Tag, dem 5. Februar, ausverkauft. Wer dennoch hinein will, bedient sich nicht vulgärer Straßenschacherei, sondern bietet im Internet um die ursprünglich 16 Pfund kostenden Karten mit.

Der Wiederverkaufswert liegt derzeit bei rund 300 Pfund. Die Beliebtheit der Leonardo-Schau, welche sich in diesem Preis spiegelt, bereitet der National Gallery aber keineswegs Freude. Das Museum tut im Gegenteil alles, um den Wiederverkauf zu unterbinden. Eine Karte, die nachweislich an Dritte verkauft wurde, verliert ihre Gültigkeit.

Wie genau sie beim Aufspüren von Wuchertickets vorgeht, verrät die National Gallery nicht. Doch wie es scheint, erleichtert der Online-Weiterverkauf die Prüfung der Legitimität. Es könnte also sein, dass der althergebrachte analoge Straßenverkauf demnächst auch auf den Trafalgar Square übergreift.

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