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Reisebuch:Londons charmante Schattenseiten

Am Ende steht nicht der Untergang, letztlich erwächst stets etwas Neues: Ein Buch beschreibt London als Stadt, die sich täglich neu erfindet - zu ihrem eigenen Besten.

Barbara Wopperer

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London

Quelle: Rainer Groothuis

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Am Ende steht nicht der Untergang, letztlich erwächst stets etwas Neues: Ein Buch beschreibt London als Stadt, die sich täglich neu erfindet - zu ihrem eigenen Besten. Von Barbara Wopperer

Über London gibt es viele so genannte Wahrheiten. Nicht alle von ihnen halten einer Realitätsprüfung stand. Auf den Regen, beispielsweise, den es dort ununterbrochen geben soll, hat schon so mancher London-Besucher vergebens gewartet. Auch das schlechte Essen, das man angeblich in ganz England zu konsumieren gezwungen ist, findet man in London nur bei sehr genauer Suche neben zahllosen wohlschmeckenden Gerichten internationaler Küche.

Straße in Whitechapel: Ein paar Häuser weiter wird die Osborn Street zur Brick Lane, eine der hippsten Ausgehmeilen für Vintage-Liebhaber. Mit Norman Fosters "Gherkin" rückt der Westen Londons näher, nur das Bello Cafe wartet noch auf bessere Zeiten.

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Eine Wahrheit über London hingegen, die auf den Straßen der Stadt ein ums andere Mal ihre Bestätigung erhält, hat die große Schriftstellerin Virginia Woolf formuliert: "The charm of modern London", so schrieb sie, "is that it is not built to last; it is built to pass". Der Charme von London ist also seine Vergänglichkeit.

Am Grand Union Canal: Der Gasometer steht zwischen den Bahnhöfen St. Pancras (rechts im Bild) und King's Cross (nicht im Bild).

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Eine Vergänglichkeit freilich, an deren Ende nicht der Untergang, sondern die Neu-Erstehung gesetzt ist. Ein Verweis auf die Vielseitigkeit, die Beweglichkeit einer Metropole, die sich mit jedem Tag neu erfindet, neu erschafft.

Hier mündet der Regent's Canal ins Limehouse Basin: Knapp neben dem rechten Bildrand liegen noch Sozialwohnungen, hinter den Brückenbögen die ersten Luxusyachten.

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London, das erfährt Matthias Politycki am eigenen Leib, bedeutet "weiter! Und weiter!". So beschreibt es der Weltreisende, der als writer-in-residence  in London lebt und als sogenannter Gastgeber dieses Corsofolio-Bandes durch die britische Hauptstadt führt. Immer in Bewegung sein, immer darauf gefasst sein, dass sich alles schon wieder verändert hat, kaum dass man einem Ort den Rücken zugewandt hatte.

Ein nicht ganz untypischer Laden in Whitechapel.

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Es zieht sich dieser Eindruck durch alle Beiträge des großformatigen Buch-Magazins über die Millionenstadt, das den schönen Untertitel "Signale aus der Weltmaschine" trägt: Jedes Bild ist eine Momentaufnahme, jeder Text ein Bericht von unterwegs, eine Reflexion über die beständig erfolgende Häutung und Erneuerung der Metropole. Der Philosoph Alain de Botton nennt London "völlig ungeordnet", inkohärent; die Literaturwissenschaftlerin Margit Dirschel erzählt von den endlosen Übermalungen, den Neulackierungen, die jede Ritze dieser Stadt ständig zu erfahren scheint.

Eine Villa im Regent's Park. Der Grand Union Canal heißt hier Regent's Canal, das East End ist meilenweit entfernt.

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Freilich erzählt sie dabei auch vom Abblättern, vom Schmutz, vom Vergänglichen, vom Moloch, der London auch ist. Die faszinierende, pulsierende Stadt, sie hat Schattenseiten, ein Umstand, der unlängst im Zuge der Aufstände dort nur allzu deutlich wurde. Und ein Umstand, der auch hier nicht ausgespart bleibt.

So beschreibt der Übersetzer Stefan Tobler, wie er am Ende einer Wanderung in den Randgebieten Londons die Angst vor dem Terror überdeutlich entdeckt: In Absperrbändern und Sicherheitsräumen, in Ausgrenzungen findet sie Niederschlag, und man kann nur hoffen, dass die Stadt auch hier so schnell nach Erneuerung strebt wie überall sonst.

Eines der zahlreichen Hausboote auf dem Grand Union Canal.

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Paddington Basin: Im Rücken des Fotografen wird die Stille zur Idylle und heißt dann Little Venice.

Alle Bilder aus: Rainer Groothius (Hrsg.), Matthias Politycki (Gastgeber): London, Signale aus der Weltmaschine. Corso Verlag, Hamburg 2011. 157 Seiten, 24,95 Euro.

© SZ vom 20.10.2011/kaeb
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