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"Promised Land" im Kino:Nation im Zwiespalt

Steve Butler (Matt Damon) zieht in "Promised Land" durch Amerika und schwatzt verarmten Farmern Schürfrechte ab, damit seine Firma unter ihrem Land fracken darf.

(Foto: Universal Pictures International (UPI))

In "Promised Land" packen Matt Damon und Gus Van Sant das Thema Fracking an, das in Amerika existenzielle Fragen aufwirft. Denn würden die USA auf diese umstrittene Weise Energie gewinnen, bekäme die gesamte Geopolitik womöglich humanere Züge. Ein Jammer, dass gerade dieser Regisseur dem spannenden Zwiespalt pathetisch ausweicht.

Es gibt kaum einen Regisseur, der das Thema Identität mit einer solchen Souveränität beherrscht wie Gus Van Sant. Vor allem, weil er es immer wieder schafft, Schauspieler wie River Phoenix, Matt Damon oder Sean Penn auf Selbstfindungstrips ins Ungewisse zu schicken. Eine Hollywood-Katharsis zum Schluss, die alles wieder sauber aufräumen könnte, hat er seinen Protagonisten meist verweigert.

"Promised Land", Van Sants neuer Film, funktioniert etwas anders. Zum einen gibt es da ein klares Ende. Das soll nicht verraten werden. Der Film hat zwar schon viele Verrisse bekommen, aber so schlecht ist er nicht, und die Drehs und Wendungen gegen Ende des zweiten Akts sind der Clou. Was aber natürlich auch ein Zeichen dafür ist, dass sich Van Sant diesmal auf Konventionen eingelassen hat.

Zum anderen geht es in "Promised Land" nicht um Identität, sondern um große Politik. Genauer gesagt um Fracking, eine Technik, bei der Wasser und Chemikalien mit Hochdruck in tiefgelegene Gesteinsschichten gepresst werden, um Öl und Gas daraus zu gewinnen.

Weltweit ist Fracking in den letzten Jahren zu einer neuen Chiffre des immerwährenden Kampf des Volkes gegen den Kapitalismus geworden. Nicht zuletzt, weil in Pennsylvania Wasser aus ganz normalen Leitungen Feuer fing, nachdem bei Fracking-Bohrungen Gas ins Grundwasser gelangt war. Und seit der Cuyahoga River in Ohio 1969 Feuer fing, weil er so verschmutzt war, ist brennendes Wasser für die amerikanische Umweltbewegung so etwas wie der brennende Dornbusch für die Israeliten - das Signal zum Aufbruch.

Duell der Landburschen

Die Geschichte, die Gus Van Sant nun erzählt, um die Problematik des Frackings auf den Punkt zu bringen, dreht sich um Steve Butler (Matt Damon). Der zieht für den fiktiven Energiekonzern Global Crosspower Solutions durch Amerika und schwatzt verarmten Farmern Schürfrechte ab, damit die Firma unter ihrem Land fracken darf. Das kann er gut, da ist er einer der Besten - weil er selbst aus so einem Nest stammt, dem die Industrialisierung der Landwirtschaft die wirtschaftliche Grundlage geraubt hat.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Sue Thomason (Frances McDormand) kommt Butler in einem Farmstädtchen in Pennsylvania an. Nachdem er schon einige Farmer unter Vertrag hat, beschließt die Bevölkerung, in einem kritischen Bürgerentscheid über das Angebot des Konzerns abzustimmen. Außerdem taucht der Umweltaktivist Dustin Noble (John Krasinski) auf, dessen Landburschen-Charme noch überzeugender ist, und macht Stimmung gegen den Energieriesen.