Preisverleihung Golden Globe für Fatih Akins "Aus dem Nichts"

  • Fatih Akin hat mit seinem Film "Aus dem Nichts" den Golden Globe für den besten nicht englischsprachigen Film gewonnen.
  • Das Drama mit Diane Kruger in der Hauptrolle greift die Mordserie der Terrorzelle NSU auf.
  • Akins Film ist auch für die Oscars im März nominiert.

Das deutsche Drama "Aus dem Nichts" von Regisseur Fatih Akin hat den Golden Globe als bester nicht englischsprachiger Film gewonnen. Das gab der Verband Hollywood Foreign Press Association, der die Auszeichnung verleiht, am Sonntagabend bei der 75. Golden-Globe-Gala in Beverly Hills bekannt. "Aus dem Nichts" mit Hauptdarstellerin Diane Kruger ist in diesem Jahr auch der deutsche Oscar-Kandidat. Die Verleihung der Academy Awards findet voraussichtlich Anfang März statt.

Akin dankte auf der Bühne unter anderem seiner Hauptdarstellerin. "Das ist deine, das ist unsere", sagte er zu Kruger.

Ein Film, der vor seiner eigenen Gewalt kapituliert

Fatih Akin erzählt in "Aus dem Nichts" in fiktiver Form von den Morden des NSU - entschärft seine politische Geschichte aber viel zu früh. Von Martina Knoben mehr ...

Bei der Globe-Verleihung konkurrierte Akins Thriller - eine ausführliche Rezension von SZ-Kritikerin Martina Knoben lesen Sie hier - unter anderem mit dem Gewinner des Europäischen Filmpreises, der schwedischen Satire "The Square" von Ruben Östlund. Weitere Nominierungen in der Sparte waren der kambodschanische Film "First They Killed My Father" von Angelina Jolie, "Fantastic Woman" aus Chile und "Loveless" aus Russland.

Erste Nominierung für Akin

Für den 44-jährigen Akin, Sohn türkischer Einwanderer, war es die erste Golden-Globe-Nominierung überhaupt. Sein Thriller erzählt von einem Anschlag in Hamburg, bei dem ein Kurde und sein Sohn ums Leben kommen. Für ihre Rolle als verzweifelte Ehefrau, die die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen will, hatte Kruger im vergangenen Jahr den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes gewonnen.

Vor einem Jahr war "Toni Erdmann" im Rennen um den Golden Globe - die Tragikomödie von Maren Ade ging am Ende aber leer aus. Der letzte Film vor "Aus dem Nichts", der den Auslands-Globe nach Deutschland holte, war 2010 das Schwarz-Weiß-Drama "Das weiße Band" von Regisseur Michael Haneke.

Die Sieger in den Hauptkategorien

Auch in einer der Hauptkategorien setzte sich ein Neuling durch: Als beste Filmkomödie wurde "Lady Bird" der erst 34-jährigen Regisseurin Greta Gerwig ausgezeichnet. Sie dankte allen Beteiligten des Films, auch Hauptdarstellerin Saoirse Ronan, die kurz zuvor die Auszeichnung als beste Darstellerin in einer Komödie bekommen hatte. Sie dankte auf der Bühne vor allem ihrer Mutter - eine Anspielung auch auf ihre Filmrolle. Ronan spielt in "Lady Bird" eine ehrgeizige Teenagerin, die sich während ihrer letzten Tage an der Highschool mit dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter auseinandersetzen muss.

In der zweiten wichtigen Filmkategorie "Bestes Drama" gewann der Kriminalfilm "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" des Iren Martin McDonagh. Frances McDormand wurde als beste Schauspielerin in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" ausgezeichnet: Sie spielt in dem Independent-Film eine kämpferische Mutter, die nach der Ermordung ihrer Tochter gegen die inkompetente Polizei vorgeht.

McDormand äußerte sich explizit zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung in der US-Filmbranche. Die Frauen, die an diesem Abend versammelt seien, seien nicht wegen des guten Essens hier, sagte sie "Wir sind hier wegen der Arbeit." Als sie danach gefragt wurde, ob eine Gefahr bestehe, dass Hollywood bald wieder zur alten Ordnung zurückkehre, erklärte McDormand, es gebe keinen Rückweg. Es müsse auf die beste Art und Weise vorangehen. Schauspielerin Michelle Williams nahm als Gast die Gründerin der MeToo-Bewegung mit, Tarana Burke.

Für die beste Regie wurde Guillermo del Toro ("Shape of Water - Das Flüstern des Wassers") geehrt.

Gewinner in den Fernsehkategorien

Black Carpet in Beverly Hills

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Im Gegensatz zu den Oscars werden bei den Globes alljährlich auch Fernsehproduktionen und ihre Darsteller ausgezeichnet. In den TV-Kategorien räumten eine düstere Zukunftsvision und ein Drama über häuslichen Missbrauch ab. Die dystopische Romanverfilmung The Handmaid's Tale gewann den Preis als beste Drama-Serie, Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wurde beste Schauspielerin. Bei den Miniserien bekam der mit zahlreichen Stars gespickte Siebenteiler Big Little Lies vier Auszeichnungen, darunter den Hauptpreis als beste Reihe in dieser Kategorie und den für Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle.

The Marvelous Mrs. Maisel über eine aufstrebende Komikerin im New York der 1950er-Jahre wurde beste Comedy-Serie. Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan gewann am Sonntagabend auch den Award für die beste weibliche Hauptrolle. Schauspielerpreise gingen unter anderem an Sterling K. Brown (This Is Us), Ewan McGregor (Fargo) und Aziz Ansari (Master of None).