Potsdam:Stiftungsdirektor: Hilfe für NS-Überlebende in Ukraine

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Axel Drecoll spricht in der Staatskanzlei Potsdam. (Foto: Annette Riedl/dpa/Bildarchiv)

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, hat zur Unterstützung der hoch betagten Überlebenden der NS-Konzentrationslager aus der...

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Potsdam (dpa/bb) - Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, hat zur Unterstützung der hoch betagten Überlebenden der NS-Konzentrationslager aus der Ukraine aufgerufen. Diese sollten zum 77. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück eingeladen werden, müssten sich aber nun wegen des Krieges in Kellern und U-Bahnhöfen verbergen und um ihr Leben fürchten, sagte Drecoll am Montag. Bislang habe die Stiftung nur wenige von ihnen erreichen können. „Einer von ihnen ist der 95-jährige Volodymyr Kororbov in Kiew, für dessen Unterstützung eine Spendenaktion gestartet wurde“, berichtete der Stiftungsdirektor.

Kororbov benötige monatlich 200 bis 300 Euro für Medikamente und Lebensmittel, sagte Kulturministerin Manja Schüle (SPD). Nach dem Spendenaufruf des Sachsenhausen Komitees seien bereits gut 3800 Euro eingegangen. Der 95-Jährige wolle zum Jahrestag der Befreiung Ende April anreisen, aber nicht als Kriegsflüchtling, sagte Schüle. Daher sei es noch ungewiss, ob Kororbov kommen könne.

Ein Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald ist nach Angaben der Gedenkstättenstiftung Buchenwald und Mittelbau-Dora bei einem Bombenangriff in Charkiw getötet worden. Der 96-jährige Boris Romantschenko sei bereits am Freitag durch einen Angriff auf sein mehrstöckiges Wohnhaus in der ostukrainischen Stadt ums Leben gekommen, sagte der Direktor der Stiftung, Jens-Christian Wagner, am Montag. Wagner berief sich dabei auf Informationen eines langjährigen Vertrauten der Stiftung in Charkiw.

Die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, Andrea Genest, berichtete von einer Überlebenden des KZ, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Wohnung im 9. Stock in Kiew nicht mehr verlassen könne. Ihr habe man wenigstens finanzielle Unterstützung überweisen können. Nach Angaben von Drecoll hat die Stiftung Kontakt zu insgesamt 32 Überlebenden, von denen 7 ihre Teilnahme als Zeitzeugen zugesagt haben.

Die Stiftung beteiligt sich mit rund 30 weiteren Initiativen, Gedenkstätten und Museen auch an einem Hilfsnetzwerk für weitere Opfer der NS-Verfolgung in der Ukraine. Dort lebten noch rund 42 000 Überlebende von NS-Lagern und -Verfolgungsmaßnahmen, heißt es in dem Spendenaufruf des Hilfsnetzwerks. Darunter seien vor allem Ukrainer, die als Minderjährige gemeinsam mit ihren Eltern zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt oder in NS-Lagern geboren wurden, sagte eine Sprecherin.

Drecoll zufolge wird durch den Krieg in der Ukraine auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen beeinträchtigt. So solle es im Juni eine internationale Konferenz zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion geben. Diese sei mit vielen Wissenschaftlern aus Osteuropa, darunter Russland, Belarus und der Ukraine geplant gewesen. Diese Konferenz müsse nun in anderer Form stattfinden, sagte Drecoll. „Wir merken auch, dass es Kolleginnen und Kollegen in Russland gibt, die Repressionen ausgesetzt sind. Unsere Gedanken sollten auch bei ihnen sein.“

Künftig soll der Gedenkort Jamlitz-Lieberose ebenfalls Teil der Gedenkstättenstiftung werden. In dem Außenlager des KZ Sachsenhausen mussten rund 10 000 überwiegend jüdische Häftlinge aus allen besetzten europäischen Ländern unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Kurz vor der Auflösung des Lagers im Februar 1945 ermordete die SS mehr als 1300 Häftlinge. Von 1945 bis 1947 befand sich dort das sowjetische Speziallager Jamlitz.

Das Land unterstützt die Arbeit der Stiftung in diesem Jahr mit mehr als 3,9 Millionen Euro, weitere gut 3,7 Millionen Euro kommen vom Bund. im vergangenen Jahr besuchten unter Corona-Bedingungen etwa 139 000 Menschen die Gedenkstätten und Museen der Stiftung.

© dpa-infocom, dpa:220321-99-611875/4

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