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Nachruf auf Patrick Dupond:Sinnlich wie Paris

Paris, 1992: Patrick Dupond tanzte mit Fanny Gaida eine Schwanensee-Choreographie von Vladimir Bourmeister.

(Foto: Bertrand Guay/AFP)

"Gefallen, verführen, unterhalten, verzaubern" wollte Patrick Dupond - und wurde so berühmt und berüchtigt wie Alain Delon. Zum Tod eines großen Tänzers.

Von Dorion Weickmann

Patrick Dupond war der Alain Delon des Tanzes: so berühmt und berüchtigt wie der Schauspieler, mit dem er 1990 vor der Kamera stand. Im Krimi "Der eiskalte Wolf" gab Delon einen zerstörerischen Zuchtmeister des Tanzes und Dupond sein charismatisches Gegenüber. Kurz zuvor hatte der gerade mal 31-jährige Starsolist der Pariser Oper auch die Ballettdirektion des Hauses übernommen.

Sieben Jahre später trennte man sich im Streit, nachdem Dupond sich eigenmächtig einen Trip gen Süden genehmigt hatte, um als Juror des Filmfestivals von Cannes Bella Figura zu machen - als erster Ballerino, der je den Sprung auf den roten Teppich an der Croisette schaffte.

Blauäugig und braunlockig, war der gebürtige Pariser eine umwerfend sinnliche Bühnenerscheinung: ein bildschöner Mann, dessen Kapricen freilich schon frühzeitig für Ärger sorgten. Der halbwüchsige, vom Judo ins Ballett gewechselte Patrick galt als ebenso impulsiver wie undisziplinierter Schüler, den oft nur das begnadete Tanztalent vor dem Rausschmiss rettete.

Fast wie Nurejew

Geschmeidig und elegant, präzise in der Phrasierung, persönlich im Ausdruck - kaum an der Oper angekommen, zog Dupond schon fast mit Nurejew gleich. Theatermacher von Maurice Béjart über John Neumeier bis Bob Wilson schätzten seinen hellwachen Verstand und das untrügliche Gespür für Bewegung.

Ob Hamburg, Mailand oder New York - Duponds Gastauftritte magnetisierten Zuschauerblicke in aller Welt. Indes verlief seine Karriere in steilen Auf- und Abwärtskurven. 2000 zogen Rettungskräfte den Tänzer mit 134 Frakturen aus einem Unfallauto, 2007 brannte sein Haus ab. Er trank zu viel, lebte und liebte exzessiv zuerst Männer, dann eine Frau.

Über alle Abstürze hinweg vergötterte ihn das Publikum, das ihn zuletzt als Jurymitglied des TV-Wettbewerbs "Danse avec les Stars" bei sich zuhause empfing. "Gefallen, verführen, unterhalten, verzaubern", so sah Patrick Dupond seine Mission. Sie ist ihm geglückt. Nach schwerer Krankheit ist er am 5. März im Alter von 61 Jahren gestorben.

© SZ/ihe
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