Musik - Berlin:Oedipus im Blutbad: Ovationen zum Start der Komischen Oper

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Berlin (dpa) - Oedipus geht um in Berlins Opern. Drei Tage nach dem Saisonauftakt der Deutschen Oper mit "Greek" von Komponist Mark-Anthony Turnage eröffnete am Sonntagabend auch die Komische Oper ihre Spielzeit mit dem klassischen Stoff um Vatermord und Mutterehe. Die "Œdipe"-Version des rumänischen Komponisten George Enescus, von der Oper in einer Reihe gesehen mit Alban Bergs "Wozzeck" oder Claude Debussys "Pelléas et Mélisande", wurde vom Premierenpublikum frenetisch gefeiert.

Den mit anhalten Bravo-Rufen und Standing Ovations bedachten Erfolg sicherten vor allem zwei Akteure. Der britische Bariton Leigh Melrose ist in der Titelrolle ein Erlebnis des Musiktheaters. Seine Stimme und das Spiel bilden einen eindrucksvollen Rahmen für das düstere Schicksal der mythologischen Gestalt.

Auf Oedipus wartet in der Inszenierung von Evgeny Titov ein wahres Blutbad. Der russische Regisseur lässt das Ensemble den Stoff in einem blechverkleideten Kubus spielen. Eine Vertiefung im Zentrum nimmt all das Blut von der Geburt des tragischen Helden bis zum Mord am Vater auf, die Pest in der Stadt rinnt als schwarze Flüssigkeit die Wände herab. Über allem schwebt das kalte Licht von Neonröhren - es ist das Ungeheuer Sphinx, das die Stadt belagert.

Intendant Barrie Kosky freute sich über einen coronabedingt "erstmals seit 18 Monaten voll besetzten Orchestergraben". Dort sorgten Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis und das Orchester für einen musikalisch hochklassigen Abend, auch dafür gab es viel Applaus.

Der Chor der Bewohner Thebens wirkte vom zweiten Rang aus. Damit steckte das Publikum fest zwischen zwei stark emotionalisierenden Ebenen: der akustisch so noch verstärkten Stimmgewalt des Chores und der schaurigen Handlung auf der beklemmend bildgewaltigen Bühne.

© dpa-infocom, dpa:210830-99-18278/2

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