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Musical:Böser Spaß

Chicago Deutsches Theater

Präzise Choreografien, ein wackeres Ensemble: "Chicago" in der Broadway-Fassung.

(Foto: Jeremy Daniel)

"Chicago" im Deutschen Theater

Frauen, die ihre treulosen Liebhaber über den Haufen schießen; sensationshungrige Medien, die sich darauf stürzen; ein windiger Staranwalt, der das auszunutzen weiß; alles eingebettet in eine Celebrity-Kultur und ein kapitalistisches System, das bis ins Gefängnis hinein von der Gier nach Geld und Ruhm angetrieben ist und in dem Wahrheit und Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben - es steckt viel in "Chicago": Sex, Crime und "all that Jazz", wie es schon im berühmten Eröffnungssong heißt. Sehr amerikanisch mit überbordendem, zynischem Hedonismus erzählt. Kein Wunder, dass das Stück in den Vereinigten Staaten das erfolgreichste Musical überhaupt ist. Und kein Wunder, dass das Stück aus den Siebzigerjahren und der zugrunde liegende Stoff aus den Zwanzigerjahren stammt - den in jeder Hinsicht progressivsten und künstlerisch prophetischsten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Der Klassiker des genialen Regisseurs und Choreografen Bob Fosse und des ebenso erfolgreichen Komponisten-Texter-Gespanns John Kander und Fred Ebb trat auch in Deutschland früh seinen Siegeszug an. Zumeist freilich in der deutschen Fassung. Die "originale Broadway-Fassung" (mit nicht unproblematischer deutscher Übertitelung auf zwei Displays seitlich der Bühne) ist nun kurz im Deutschen Theater zu Gast, wenn auch nicht mit einem amerikanischen, sondern einem südafrikanischen Ensemble.

Das schlägt sich mehr als wacker. Absolut präzise rollen die immer noch bezwingenden Choreografien dahin, die Band hat speziell gegen Ende ordentlich Dampf und einen auch als Showman glänzenden Dirigenten. Auch die Darsteller überzeugen, wobei die männlichen Hauptrollen mit Craig Urbani (Billy Flynn) und Grant Towers (Amos Hart) sogar etwas präsenter sind als die weiblichen mit Carmen Pretorius (Roxie Hart) und Samantha Peo (Velma Kelly). Die Geschichte freilich wirkt inzwischen doch etwas angestaubt, sie gehörte mal von guten Autoren ins Youtube- und Digital-Zeitalter übersetzt. Ein großer, böser Spaß ist's immer noch (noch bis Sonntag).