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Münchner Kunstfund:Weitere 101 Gurlitt-Bilder im Netz

Henri de Toulouse-Lautrec, Werk aus der Gurlitt-Sammlung

Henri de Toulouse-Lautrec, "Une Spectatrice", aus dem Jahr 1893, Druckgrafik. Das Bild ist eines der bei lostart.de aufgelisteten Werke aus dem Gurlitt-Sammlung.

(Foto: Staatsanwaltschaft Augsburg/dpa)

Nach und nach veröffentlicht die Staatsanwaltschaft Augsburg weitere Werke aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt im Netz. Mittlerweile sind 219 Bilder online, die im Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein - darunter Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken von Künstlern wie Cézanne, Picasso und Dürer.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat 101 weitere Werke aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt ins Internet gestellt. Unter den Werken, die im Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein, befinden sich Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken von Künstlern wie Edgar Degas, Eugene Delacroix, Paul Cézanne, Pablo Picasso, Albrecht Dürer und Honoré Daumier.

Insgesamt sind damit 219 Bilder aus der Sammlung Gurlitt in der Datenbank www.lostart.de der Koordinierungsstelle Magdeburg gemeldet, wie die Taskforce "Schwabinger Kunstfund" am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Weitere Werke und Konvolute sollen in kurzen Abständen folgen. Die Bilder sind nach Angaben der Taskforce bereits entsprechend fotografiert worden. Die Behörden hatten im Frühjahr 2012 insgesamt 1280 Bilder aus der Schwabinger Wohnung Gurlitts beschlagnahmt. 593 davon stehen in dem Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein, bei 384 könnte es sich um Werke handeln, die die Nationalsozialisten als "Entartete Kunst" diffamierten und aus Museen entfernten.

In Bezug auf die Rückgabe von Bildern an Gurlitt, deren rechtmäßiger Eigentümer er ohne Zweifel sei, teilte die Staatsanwaltschaft Augsburg mit, mindestens zehnmal versucht zu haben, den Kunstsammler zu erreichen. Bereits im Januar dieses Jahres sei ihm angeboten worden, einen Teil seiner Bilder zurückzubekommen, sagte Staatsanwalt Reinhard Nemetz am Donnerstag im Justizausschuss des bayerischen Landtags.

Den Termin habe Gurlitt aber aus persönlichen Gründen verschoben - und sei seitdem für die Staatsanwaltschaft nicht mehr zu erreichen gewesen. Vom 15. Mai an habe es zehn Kontaktversuche gegeben, sagte Nemetz - telefonisch und schriftlich. Der letzte Versuch war nach Angaben Nemetz' ein Brief vom 23. Oktober.

"Dinge, die ihm gehören, die kriegt er auch"

Mitarbeiter seiner Behörde seien sogar bei Gurlitt zu Hause vorbei gefahren, um sicherzugehen, dass bei dem heute 80-Jährigen alles in Ordnung sei. "Wir wussten auch um das Alter unseres Beschuldigten", sagte Nemetz. "Man hat deswegen Kontakt zu Hausbewohnern gesucht und von denen in Erfahrung gebracht, dass er sehr wohl guter Dinge ist." Er sei beim Einkaufen gesehen worden. "Es bestand kein Grund, uns Sorgen zu machen."

Gurlitt soll rund 300 Werke aus seiner Sammlung zurück erhalten, die ihm zweifelsfrei gehörten. Auch die Taskforce, die die Herkunft der Bilder ermitteln soll, konnte Gurlitt bislang nicht erreichen. Die Behörden wollen es aber weiter versuchen. "Dinge, die ihm gehören, die kriegt er auch", betonte der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz. Einen Deal mit dem 80-Jährigen werde es aber keinesfalls geben, bekräftigte Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU).

"Einen Deal - Straffreiheit gegen Bilder - wird es nach meinem besten Willen nicht geben", sagte er. Die strafrechtlichen Ermittlungen und die Provenienzrecherche seien unterschiedliche Fragestellungen. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

Die Taskforce, die die Herkunft der Bilder herausarbeiten soll, hat inzwischen nach Angaben ihrer Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel zahlreiche Anfragen möglicher Besitzer bekommen.

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