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Auszeichnung:München kreiert einen neuen Karl-Valentin-Preis

Karl Valentin

Sein Andenken soll nicht weiter verfälscht werden: Karl Valentin, Porträt um 1905.

(Foto: Karl-Valentin-Depositum Böheim)

Als Schlagersänger Andreas Gabalier heuer den Valentin-Orden verliehen bekam, gab es viel Kritik an der Narrhalla. Der neue Preis positioniert sich gegen diese Auszeichnung - und sorgt im Kulturausschuss für Kritik.

Ein Leben für die Kunst zu führen, ist toll. Der Künstler braucht nicht viel. Seine Kunst und etwas Anerkennung. Früher hat sich der eine oder andere Mäzen um die Kreativen gekümmert. Heute gibt es mal mehr, mal weniger gut dotierte Auszeichnungen. In München wird es jetzt den "Großen Valentin-Karlstadt-Preis" geben. Und der klingt größer, als er ist, denn er besteht aus: nichts. Damit ist er, wie es in den Unterlagen für den Kulturausschuss am Donnerstag zu entnehmen war, der "einzige Preis weltweit", der aus nichts besteht. Hurra.

Das Nichts scheint besonders gut durchzusetzen zu sein. Nichts kostet nichts. Im Kulturausschuss des Stadtrats wurde diese Tatsache nämlich gar nicht diskutiert. Kritisch wurde allein bewertet, dass es den Preis, der sich gegen den Valentin-Orden der Faschingsgesellschaft Narrhalla positionieren soll, überhaupt geben soll. Den Antrag gestellt hatte die Fraktion der Grünen/Rosa Liste. Es war eine Reaktion darauf, dass die Narrhalla in diesem Jahr den Valentin-Orden an den Schlagersänger Andreas Gabalier verliehen hatte - eine umstrittene Wahl. Daraufhin erklärten die Grünen, dass das Andenken an Karl Valentin nicht weiter verfälscht werden solle, wie dies durch Missgriffe der Faschingsgesellschaft geschehe. Ein eigener Preis sei ein probates Mittel. Für die Vertreter der CSU und der Bayernpartei war diese Argumentation nicht nachvollziehbar. Mario Schmidbauer (Bayernpartei) betonte, einen eigenen Preis zu verleihen, "sei doch lächerlich."

Die Ausschussmehrheit beurteilte dies allerdings nicht ähnlich. Sie schloss sich dem Vorschlag der Grünen an. Also wird es demnächst einen Preis geben, der aus Nichts besteht, weil auch Karl Valentin nie einen Preis erhielt. Vergeben wird die Stadt München die Auszeichnung im Benehmen mit dem Valentin-Karlstadt-Förderverein und der Karl-Valentin-Gesellschaft, "in unregelmäßigen Abständen aber möglichst regelmäßig". Einen festlichen Rahmen für die Verleihung soll es geben, der sich über Eintrittsgelder selbst tragen muss. Immerhin: Ein Essen ist inkludiert. Ausgezeichnet werden Personen, "die in der Nachfolge Valentins und Karlstadts herausragende künstlerische Leistungen vorweisen können" oder sich um geniale Persönlichkeiten verdient gemacht haben. Sie bekommen dafür dann, nun ja: nichts. Aber wie hat Valentin so passend gesagt: "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische."

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