Karl Valentin Mit dem Tod ist noch lange nicht Schluss

Gunter Fette ist der Nachlassverwalter von Karl Valentin.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers erlischt das Urheberrecht an seinen Werken - zum Jahresende.
  • Karl Valentin starb am 9. Februar 1948.
  • Doch nicht alle seine Werke werden nun frei verfügbar sein.
  • Der Urheberschutz bleibt bestehen für jene 25 Werke, an denen Liesl Karlstadts Mitarbeit dokumentiert ist.
Von Sabine Reithmaier

Vor 70 Jahren war der 9. Februar ein Rosenmontag. An diesem Tag starb Karl Valentin. Medizinisch gesehen an einer verschleppten Lungenentzündung. Aber er war wohl auch seelisch schwer verwundet. Den Krieg und die Nationalsozialisten hatte der Komiker zwar überstanden, aber nun, 1948, wollte seine hintersinnig-melancholischen Sprüche niemand mehr hören. Er sei zu pessimistisch, hieß es.

Das muss den sensiblen Sprachkünstler zutiefst gekränkt haben. Und bei aller Freude darüber, wie viele Fans er heute besitzt, würde es ihn vielleicht doch irritieren zu erfahren, wie sehr sein 70. Todestag herbeigesehnt wurde.

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70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers erlischt das Urheberrecht an seinen Werken. Aber Achtung: nicht am Todestag, sondern erst am Ende des Todesjahrs. Bis dahin wird Gunter Fette, bekannter und von manchen gefürchteter Nachlassverwalter der Valentin-Erben, weiterhin darüber wachen, dass sich niemand unautorisiert an Valentins Texten, Fotos oder Zitaten vergreift. Und um keine falsche Hoffnung aufkeimen zu lassen: Er wird auch nach dem 31. Dezember nicht arbeitslos werden.

Denn der Urheberschutz bleibt bestehen für jene 25 Werke, an denen Liesl Karlstadts Mitarbeit dokumentiert ist. Valentins kongeniale Bühnenpartnerin starb erst 1960. Daher sind ihre Werke noch bis 2030 geschützt. Auf der Liste der 25 stehen, logisch, die beliebtesten Werke der beiden: "Der Firmling" ist dabei, aber auch "Die Orchesterprobe", "Die Raubritter von München", "Der verhexte Scheinwerfer" oder "Im Photoatelier".

Warum wird Liesl Karlstadt aber offiziell nirgendwo als Ko-Autorin genannt? "Weil sie das den Erben so genehmigt hat", sagt Fette. Karlstadt selbst habe 1950 in einem Vertrag mit Valentins Witwe Gisela und dem Piper-Verlag die 25 Werke festgelegt, an denen sie Mitautorin war. Aber gleichzeitig habe sie auch erklärt, dass sie bei allen anderen Werken keinen Anspruch auf Miturheberschaft erhebe.

Was sie zu dieser bestimmt nicht korrekten Darstellung veranlasst hat, weiß man nicht. "Sie hat sicher an weiteren Werken in urheberrechtsrelevanter Weise mitgewirkt", sagt Fette. Zudem gestand sie in jenem Vertrag der Familie Valentin zu, dass alle Veröffentlichungen nur mit der Urheberangabe Karl Valentin erscheinen dürfen. "Das hat sie selbst so angeordnet", sagt Fette. "Karlstadt wurde also nicht einfach unter den Teppich gekehrt von den Erben, sondern es wurde nur vollzogen, was sie vertraglich so geregelt hat."