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"Machete Kills" im Kino:Hochglanzprodukt mit Trash-Referenzen

Kinostarts - 'Machete Kills'

Filmszene aus "Machete Kills"

(Foto: dpa)

Mit "Machete Kills" legt Regisseur Robert Rodriguez eine noch abgedrehtere Variante des ersten Teils vor. Danny Trejo gibt wieder den mexikanischen Ex-Agenten, Charlie Sheen, Mel Gibson und Lady Gaga sind auch dabei. Leider aber hat der Film ein Konstruktionsproblem.

Die Männer: wollen ihn hängen. Die Mädchen: wollen mit ihm schlafen. Doch Machete quittiert beiderlei Begehrlichkeiten mit dem stoischen Blick eines Mannes, der schon viel zu viel Unsinn in dieser überdrehten Welt erlebt hat, als dass ihm Desperados oder Blondinen noch gefährlich werden könnten. Egal ob am Strick oder im Bett: selbstbewusst blinken die kleinen dunklen Augen, die Mundwinkel hängen bedrohlich tief, das ganze Gesicht eine einzige Vulkanlandschaft, spröde und zerfurcht.

Für das Buddy-Projekt "Grindhouse", eine wilde Liebeserklärung ans Exploitation-Kino, die er gemeinsam mit Quentin Tarantino stemmte, hatte sich Robert Rodriguez vor sechs Jahren den schrägen mexikanischen Ex-Agenten ausgedacht, der zunächst nur in einem Gaudi-Trailer vor dem Hauptfilm seine Machete schwang. Dann bekam er Lust, dieses Destillat der trashigen Mitternachtsvorstellungen der Siebzigerjahre vollends zu entfesseln. 2010 drehte er "Machete" und legt nun mit "Machete Kills" eine noch überdrehtere Variante des ersten Teils vor - wieder mit ordentlich Star-Power.

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Elektrisiert

Charlie Sheen spielt den US-Präsidenten, der inmitten eines ganzen Rudels an Gespielinnen gerade noch die Zeit findet, Machete auf einen wahnsinnigen Plutokraten (Mel Gibson) anzusetzen, der die Welt sprengen und sich mit seiner Sekte im Weltraum zur Ruhe setzen will, was Rodriguez als ironische Reminiszenz an die eher peinlichen All-Ausflüge von Roger Moores James Bond inszeniert. Außerdem gibt es einen sehr wandlungsfähigen Kopfgeldjäger, der abwechselnd von Antonio Banderas, Lady Gaga und Cuba Gooding Jr. gespielt wird sowie eine absurd attraktive Regierungsbeamtin - Amber Heard - die die Sachlage zusätzlich verkomplizieren.

Den größten Schauwert zwischen all diesen glatten Gesichtern hat aber wieder Machete-Darsteller Danny Trejo, der mit seiner vernarbten Physiognomie würdevoll die Erotik des Unperfekten verkörpert. Trejo ist mittlerweile 69 Jahre alt, macht seine Stunts gerne selbst und hat, lange bevor er Schauspieler wurde, so ziemlich jedes Gefängnis an der Westküste von innen gesehen. In der famosen Dokumentation "Champion" von 2005, in der Trejo von seiner Vergangenheit als Drogendealer und Einbrecher berichtet, von Boxmeisterschaften im Knast und von seinen ersten Schritten im Filmbusiness - wo er als Berater für Gefängnis- und Drogenfilme begann - kann man ziemlich eindrucksvoll nachvollziehen, dass die reale Person Danny Trejo und der Filmcharakter Machete nicht sonderlich weit auseinanderliegen.

"Matschätä twittert nicht"

Dieser Tatsache bleiben Rodriguez und Trejo auch in "Machete Kills" treu. Trejo schaut mürrisch, prügelt sich heftig und hält die Mädchen so eisern auf Distanz, dass sie vor Verlangen fast verrückt werden. Als ihm eine dralle Blonde ein Smartphone in die Hand drückt, damit sie in digitalem Kontakt bleiben können, blickt er sie herablassend an und erwidert mit knarzendem spanischen Akzent: "Matschätä twittert nicht".

Das ist alles schön schräg und stellenweise auch sehr komisch - nur hat der Film trotzdem ein Konstruktionsproblem, das sich schon im ersten Teil bemerkbar machte und das auch hier und da im Werk von Rodriguez' Kollegen Tarantino aufblitzt: Die Seele des von beiden so bewunderten amerikanischen B-Films der Siebzigerjahre, geprägt von Trash-Ikonen wie Roger Corman, lässt sich nicht einfach mit einem A-Film-Budget reproduzieren. Denn neben dem Willen zur narrativen Kamikaze resultiert der Charme der geliebten Vorbilder gerade aus der Limitierung ihrer Produktionsmittel - aus miesen Spezialeffekten, hässlichen Kostümen und zerkratztem Filmmaterial. "Machete Kills" hingegen bleibt trotz Trejo und trotz aller Trash-Referenzen vor allem ein Hochglanzprodukt.

Machete Kills, USA 2013 - Regie: Robert Rodriguez. Buch: Kyle Ward. Kamera: Robert Rodriguez. Mit: Danny Trejo, Charlie Sheen, Amber Heard. Universum, 197 Minuten.