Literaturnobelpreis Auch die Kronprinzessin soll sexuell belästigt worden sein

Drei Quellen berichten von einem Übergriff auf Schwedens Kronprinzessin Victoria durch Jean-Claude Arnault.

(Foto: REUTERS)
  • Der Ehemann eines Mitglieds der Schwedischen Akademie soll Kronprinzessin Victoria Mitte der Nullerjahre bei einer Veranstaltung an den Po gefasst haben.
  • Ihm werden bereits 18 weitere sexuelle Übergriffe auf Frauen vorgeworfen.
  • Die Vorwürfe sind Teil des Skandals, der die Akademie seit Monaten erschüttert und mittlerweile handlungsunfähig gemacht hat.

Seit Dezember wird die Schwedische Akademie von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert. Nun berichtet die schwedische Zeitung Svenska Dagbladet von einem weiteren Übergriff in der Akademie, der Institution, die den Nobelpreis für Literatur vergibt. Jean-Claude Arnault, Ehemann eines Akademiemitglieds und Persönlichkeit des Stockholmer Kulturbetriebs, soll Kronprinzessin Victoria Mitte der Nullerjahre bei einer Zusammenkunft der Akademie an den Po gefasst haben.

Drei voneinander unabhängige Quellen berichten, was Arnault an jenem Abend tat. "Es war sehr unangenehm, aber die Assistentin der Kronprinzessin griff ein und schob seine Hand weg", sagte die Literaturprofessorin Ebba Witt-Brattström dem Fernsehsender SVT. Auch König Carl XVI. Gustaf und Horace Engdahl, damals ständiger Sekretär der Akademie, hätten den Vorfall beobachtet. Engdahl sei daraufhin vom Königshof angewiesen worden, dafür zu sorgen, dass Victoria und Jean-Claude Arnault nicht mehr allein aufeinanderträfen. Das Königshaus hat die Berichte nicht kommentiert.

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18 Frauen, darunter ehemalige Praktikantinnen der Akademie und junge Schriftstellerinnen, haben bislang von Fällen sexueller Belästigung durch Arnault berichtet. Offenbar hat Arnault seine Nähe zur Akademie ausgenutzt, um sich sexuelle Vorteile zu verschaffen. Das fiel ihm umso leichter, als er einen Kulturklub betrieb, den die Akademie als "erweitertes Wohnzimmer" benutzte - als Ort für Vorträge, Lesungen und legere Zusammenkünfte. Arnault selbst bestreitet die Vorwürfe. Auch die aktuellen Enthüllungen im Zusammenhang mit der Kronprinzessin ließ er umgehend von seinem Anwalt zurückweisen.

Neben den Belästigungsvorwürfen geht es im Skandal um die Schwedische Akademie um Korruption und Geheimnisverrat: Es waren die Namen künftiger Nobelpreisträger vorab preisgegeben worden und es hatte Fälle von privater Vorteilsnahme gegeben. In der vergangenen Woche hatte die Akademie eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie einen großen Teil der gegen sie erhobenen Vorwürfe bestätigt. Das anwaltliche Gutachten sei dem Staatsanwalt übergeben worden.

Weil sie nicht damit einverstanden waren, wie die Akademie bislang mit den Vorwürfen umging, legten mehrere Mitglieder ihre Arbeit nieder oder verließen die Akademie inzwischen ganz. Am Samstag teilte die Akademie mit, dass ein weiteres Mitglied im Zuge des Skandals die Akademie verlassen habe. Die Journalistin und Schriftstellerin Sara Stridsberg habe entschieden, ihre Arbeit niederzulegen. Damit sind von den ehemals 18 nur noch 10 Mitglieder aktiv. Damit ist die Akademie nicht mehr entschlussfähig, da für einige Entscheidungen der Satzung zufolge mindestens zwölf Mitglieder benötigt werden. Berichten schwedischer Medien zufolge wird deshalb sogar erwogen, die Vergabe des Literaturnobelpreises um ein Jahr zu verschieben. Entschieden sei das aber noch nicht.

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