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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Von Losern und Räuberpärchen

In "2 Guns" gehen Denzel Washington und Mark Wahlberg auf Raubzug, während Owen Wilson und Vince Vaughn in "Prakti.com" bei Google arbeiten. Humorvoll und brutal: Glenn Close als Hotel-Butler "Albert Nobbs". Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kino-Kritikern

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Prakti.com

Prakti.com

Quelle: dpa

In "2 Guns" gehen Denzel Washington und Mark Wahlberg auf Raubzug, während Owen Wilson und Vince Vaughn in "Prakti.com" bei Google arbeiten. Humorvoll und brutal: Glenn Close als Hotel-Butler "Albert Nobbs". Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Prakti.com

Auch in Hollywood gibt es eine gar nicht so alte Generation, die sich von der digitalen Moderne längst abgehängt fühlt. Vince Vaughn und Owen Wilson versuchen das Problem offen anzugehen - und spielen zwei Loser, die überraschend ein Praktikum bei den Kids von Google bekommen. Das bunte Multikulti-Utopia in Mountain View, in das sie dann hineingeraten, ist pure Propaganda - am Ende aber weiß der Regisseur Shawn Levy noch immer nicht, was dort eigentlich genau gemacht wird.

Neu im Kino: "2 Guns", "Keinohrhase und Zweiohrküken" und "Prakti.com", kurz vorgestellt per Video.

Tobias Kniebe

Im Bild Owen Wilson als Nick Campbell und Vince Vaughn als Billy McMahon.

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Albert Nobbs

Glenn Close als Albert Nobbs

Quelle: Patrick Redmond/dpa

Albert Nobbs

Glenn Close als faltiger älterer Herr - sieht erst mal bizarr aus, wird von ihr aber so elegant gespielt, dass man dann gern darauf einsteigt. Eine Frau gibt sich Ende des 19. Jahrhunderts in Dublin als Mann aus, um Arbeit zu bekommen - und wird zum Hotel-Butler Albert Nobbs. Rodrigo García erzählt sein Middlesex-Märchen in der romantischen Tradition von Charles Dickens, so humorvoll wie brutal.

Eine ausführliche Rezension des Films lesen Sie hier.

David Steinitz

Im Bild Glenn Close als Albert Nobbs.

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Kinostarts - 'Prince Avalanche'

Quelle: dpa

Prince Avalanche

Eine gespenstische Landschaft, schwarz und kahl, von gewaltigen Waldbränden verwüstet. Hier ziehen Alvin (Paul Rudd) und Lance (Emile Hirsch) eine gelbe Linie, die für Ordnung sorgen soll - den Mittelstreifen auf den Landstraßen durch die Einöde. Die Absurdität ihrer Arbeit entspricht der Tristesse ihres Lebens, sie träumen von Frauen, Anerkennung, Freundschaft. Von etwas, das bleiben könnte von ihrem Leben. Sie kooperieren, trinken, streiten, manchmal wollen sie einander auch erschlagen. Ein wunderlicher zärtlicher Film des texanischen Filmemachers David Gordon Green, auf der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Fritz Göttler

Im Bild Paul Rudd als Alvin und Emile Hirsch als Lance.

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:"2 Guns"

Kinostarts - '2 Guns'

Quelle: dpa

"2 Guns"

Weil die Buddy-Actionkomödie inmitten des großen Blockbuster-Sterbens das Genre ist, das vielen Hollywood-Produzenten den Arbeitsplatz sichert, hier ein weiterer Fall von Männerfreundschaft hinterm Mündungsfeuer. Baltasar Kormákur inszeniert Mark Wahlberg und Denzel Washington als kriminelles Räuberpärchen, das niemals die Bank gegenüber dem Donutladen überfällt - wegen der Cops. Erst lustig. Dann eine Ode an die Lynchjustiz.

Neu im Kino: "2 Guns", "Keinohrhase und Zweiohrküken" und "Prakti.com", kurz vorgestellt per Video.

David Steinitz

Im Bild Denzel Washington als Robert 'Bobby' Trench und Mark Wahlberg als Michael 'Stig' Stigman.

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:In the Darkroom

In the Darkroom

Quelle: Real Fiction Filme

In the Darkroom

Nadav Schirman lässt Magdalena Kopp erzählen, vom Untergrundkampf und von ihrem Mann, dem Terroristen Carlos. Ein etwas unkritischer, dennoch aufschlussreicher Dokumentarfilm über politische Naivität, Opportunismus und die Schuld der Frauen.

Martina Knoben

Im Bild Carlos, Magdalena Kopp und die gemeinsame Tochter Rosa.

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:"Der Geschmack von Apfelkernen"

Kinostarts - 'Der Geschmack von Apfelkernen'

Quelle: dpa

Der Geschmack von Apfelkernen

Tante Inga kann elektrische Funken sprühen. Vivan Naefes hochkarätig besetzte - Hannah Herzsprung, Marie Bäumer, Meret Becker - Bestsellerverfilmung kann das nur stellenweise. Ein Frauenfilm bittersüßer Gefühligkeit. Lieb' und Leid, Träume und Traumata von acht Frauen aus drei Generationen als Familienchronik-Puzzle, das die sinnliche Magie von Katharina Hagens Roman in einen Bilderbogen dekorativer Gefälligkeit übersetzt.

Die SZ-Videorezension "Zoom - die Kinopremiere" sehen Sie hier.

Rainer Gansera

Im Bild Hannah Herzsprung als Iris und Florian Stetter als Max.

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Not Fade Away

James Gandolfini und John Magaro

Quelle: Barry Wetcher

Not Fade Away

Ein paar Vorstadt-Jungs gründen in den Sechzigern eine Garagen-Band, um an Brüste und einen Plattenvertrag zu kommen, was sich beides als sensationell kompliziert erweist. "Sopranos"-Erfinder David Chase legt mit 67 sein Spielfilmdebüt vor, eine wilde Liebeserklärung an den Rock 'n' Roll, die hübschen Mädchen und den Zauber des Kinos. Und ein deutlicher Abschiedsgruß an den US-Serien-Hype.

Eine ausführliche Rezension des Films lesen Sie hier.

David Steinitz

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:"V8"

Kinostarts - 'V8 - Du willst der Beste sein'

Quelle: dpa

"V8"

Joachim Masannek erfindet eine Phantasiewelt von Motorenliebhabern für einen Kinder-Rennfahrer-Film. Vier knapp 12-jährige bauen sich auf einem Schrottplatz rasante Karts und treten gegen mächtige Konkurrenz an. Dabei wird mehr geredet als gefahren, der Wettbewerbsgedanke ausgiebig gepflegt, und ansonsten sehr viel dafür getan, möglichst überall möglichst dick die Coolness aufzutragen.

Doris Kuhn

Im Bild Maya Lauterbach als Luca, Georg A. Sulzer als David und Klara Merke als Kiki.

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Wer schön sein will, muss reisen

Wer schön sein will, muss reisen

Quelle: déjà vu Filmverleih

Wer schön sein will, muss reisen

Man hätte sie gerne einmal anders gesehen - die Sinnsuche hinter weiblichen Schönheitsidealen. Für ihren Dokumentarfilm reiste Tine Wittler mit Regisseur René Schöttler in den Wüstenstaat Mauretanien, wo üppige Formen als schön gelten. Doch obwohl sich ihre Versuchsanordnung so wohltuend beharrlich um Distanz zu allen Heidi-Klum-Debatten bemüht, versumpft sie letztlich zwischen gefühliger Real-Life-Selbstfindung und Grußkarten-Weisheiten.

Annett Scheffel

Im Bild Tine Wittler

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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Der Glanz des Tages

Der Glanz des Tages

Quelle: Peripher

Der Glanz des Tages

Der aufsteigende Burgtheaterstar Philipp Hochmair (gespielt von ihm selbst) hält sich für einen wilden, hochkreativen Freigeist. Als sein Onkel Walter bei ihm aufschlägt, muss er sich plötzlich fragen, ob er nicht doch bloß ein verbissener Workaholic ist. Denn Walter war Vagabund und Bärenringer, und zwar in echt, nicht nur auf der Bühne. Tizza Covi und Rainer Frimmel lassen auch mal Phrasen im Dialog zu, um ihren grobkörnigen Film noch realistischer zu machen. Ein warmherziges, geglücktes Experiment im nasskalten Wiener Winter.

Kathleen Hildebrand

Im Bild Walter Saabel als Walter und Philipp Hochmair.

© SZ vom 26.09.2013/ahem

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