Konzert:Klingt nach Piräus

Lesezeit: 2 min

"The Grexits" mit neuem Album in der Milla

Von Jürgen Moises

Am Anfang von The Grexits stand, wie so oft, der Blues. Konkret der griechische Blues, wie man den Rembetiko gerne nennt. Der gilt auch als der Sound der kleinen Gauner und der Habenichtse, der Geflüchteten und Abgehängten, was den vor mehr als 100 Jahren in Piräus entstandenen Rembetiko sehr aktuell macht. Auch beim Bandnamen The Grexits schwingt so Einiges mit. Denn wir erinnern uns: Vor dem Brexit gab es einen Grexit. Mit dem Unterschied, dass das Schreckensszenario eines möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone damals vonseiten der EU kam, während es heute die Briten selbst sind, die Europa damit drohen. Und die Diskussion um Griechenland? Sie scheint vergessen zu sein.

Aber da sind ja noch The Grexits, die bewusst in diese alte Wunde bohren, wie es der Punk ja gerne mal so macht. Den führen Nikos Papadopoulos, Albert Pöschl, Josip Pavlov und Simon Dieu nämlich mit dem Klang des Rembetiko zusammen. Auf ihrem zweiten Album "For Sale", das die Münchner Band an diesem Montag in der Milla vorstellt, kommen noch No Wave, Postpunk und Surfrock hinzu. Denn der zunächst sehr ruppige Sound, er hat sich ausdifferenziert, seit die Band vor ein paar Jahren bei "Highway to Hellas", einer Benefizveranstaltung für griechische Flüchtlingsinitiativen, zusammenfand. Dort trat Sänger, Gitarrist und Songwriter Papadopoulos mit seiner Band Ta Mourmourakia auf, die den Rembetiko mit Bouzouki, Geige und Gitarre in klassischer Form spielen.

Konzert: Josip Pavlov, Albert Pöschl, Simon Dieu und Nikos Papadopoulos (von links) sind "The Grexits".

Josip Pavlov, Albert Pöschl, Simon Dieu und Nikos Papadopoulos (von links) sind "The Grexits".

(Foto: Andreas Staebler)

In der Weiterführung à la Grexits gibt es das auf "For Sale" nur noch bei "Htes To Vrady Stou Karipi" ("Gestern Abend bei Karipis"), einem Rembetiko-Klassiker von Jiorgos Katsaros. Der handelt von einem Tempel, in dem die sogenannte "Haschischmesse" zelebriert wurde. "Und von einem Abend, an dem mit gezinkten Würfeln gespielt wurde und die Gauner damit durchkamen", wie es im vom Augsburger Autor Franz Dobler und Christos Davidopoulos von Optimal Records verfassten Begleittext zum Album heißt. Mit "Tired Of Waiting For You" von den Kinks und "This Is Rock And Roll" von der Punkband The Kids gibt es noch zwei weitere Coversongs und mit "Oute ena lepto", "Sutina" und "Surfin' Greek" drei Instrumentals.

Der Rest sind neue Songs, deren griechische Texte, da wären wir wieder beim Blues, von Verletzungen, enttäuschter Liebe und von Verrat handeln. Es sind Klagelieder, oder besser: Anklagelieder, die Nikos Papadopoulos teilweise mit heulender, sich leicht überschlagender Stimme singt. Auch das Coverbild mit griechischer Landschaft und dem Schild "For Sale" darauf könnte man als Anklage verstehen. Dass die Grexits auch ruhig und elegisch können, zeigt das längste und ungewöhnlichste, weil mit Posaune, Trompete und Saxofon ins Jazzige und Spacige abdriftende Stück "Kati Na Sou Po" ("Ich wollte Dir was sagen"). Dafür haben sie sich die Freunde Matthias Götz, Rochus Boulanger, Wolfi Schlick und Tom Wu zu den Aufnahmen ins Studio geholt. Denn das hier mag nicht Piräus sein, aber auch hier halten die Gauner zusammen.

The Grexits: For Sale (Echokammer/Gutfeeling); Montag, 2. Dezember, 21 Uhr, Milla, Holzstr. 28

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