Kolumne: Deutscher Alltag:Gott ist rot

Die SPD wird die Bundestagswahl im September verlieren. Wer ist schuld? Nicht Münte, nicht Steinmeier, sondern Obama oder der liebe Gott.

Kurt Kister

Man weiß schon jetzt, wer schuld ist, wenn die SPD die Bundestagswahl verliert: Barack Obama und der liebe Gott. Dass die SPD die Wahl verlieren wird, steht außer Zweifel. Entweder fährt sie irgendwas zwischen einem Ypsilanti- und einem Ludwig-Stiegler-Ergebnis ein und darf sich acht Jahre in der Opposition regenerieren. Oder es gibt wieder eine große Koalition, weil die FDP zum dritten Mal unter Westerwelle nicht Schwarz-Gelb schafft. Nochmal große Koalition wäre schlecht für die SPD, für Deutschland, für die CDU und wahrscheinlich sogar für das Metzgerhandwerk.

Kolumne: Deutscher Alltag: Wenn der liebe Gott so sei, wie er ihn sich vorstelle, dann sei er auf Seiten der SPD, predigte Franz Müntefering.

Wenn der liebe Gott so sei, wie er ihn sich vorstelle, dann sei er auf Seiten der SPD, predigte Franz Müntefering.

(Foto: Foto: dpa)

Obama scheint das ähnlich zu sehen. Jedenfalls hat er so etwas zu Angela Merkel, der Tante Deutschland, gesagt, als die in Washington war. "Sie haben doch schon gewonnen", meinte er und fügte hinzu, er wisse gar nicht, worüber sich Merkel dauernd Sorgen mache. Offenbar kennt Obama Steinmeier gut genug, um beurteilen zu können, ob Fränk-Wolter oder eben Frau Mörkel das Rennen machen wird.

Andere Gefahren allerdings sind dem Präsidenten nicht bewusst. Zum Beispiel hat er noch nie von der CSU gehört, dem zum opportunistischen Extremismus neigenden Wurmfortsatz der CDU. Der CDU-Generalsekretär Pofalla, ein für die eigene Partei auch nicht ungefährlicher Mann, misst neuerdings die Widrigkeiten, die der CDU drohen, mit der nach allen Seiten offenen Seehofer-Skala. Dort behauptet die CSU mit 8,9 den Spitzenwert. Die SPD steht nur bei 1,4 (wobei allerdings Andrea Nahles, Klaus Wowereit und Michelle Schumann zusammen bei 5,8 liegen); Vattenfall bei 6,1; der Quelle-Katalog bei 3,4 und Sonnenschein am 27. September bei 8,1.

In vielerlei Hinsicht noch bedeutender als Obama ist der liebe Gott. Ihn hat kein Geringerer als Franz Müntefering bemüht. Wenn der liebe Gott so sei, wie er ihn sich vorstelle, dann sei er auf Seiten der SPD, sagte der recycelte Vorsitzende zum Spiegel.

Nun kommt Müntefering zwar aus dem Sauerland, ist aber alt genug, um Bob Dylans Song "With God on our side" zu kennen. In dem Lied zählt Dylan auf, bei welchen Kriegen und sonstigen Gewalttaten Gott vom Amerikaner als solchem als Schutzherr reklamiert worden ist. (Das ist keine US-Eigenart, auch deutsche Waffen wurden gern von Pfarrern und Pastoren gesegnet.) Übrigens stellt der große Bob in dem Song auch die Frage, ob wohl Judas Gott auf seiner Seite hatte, als er Jesus verriet und so dazu beitrug, dass sich Gottes Plan von Tod und Auferstehung erfüllte.

Nimmt man Müntefering ernst - und wer würde das nicht? - muss man konstatieren: Geht die SPD Ende September den Bach herunter, dann wollten das der Herr und Obama so. Müntefering jedenfalls kann nichts dafür.

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