Im Kino: "Kings of Hollywood":Unerfüllte Liebe

Kinostart - 'Kings of Hollywood'

Für einen Versicherungsbetrug heuert Filmproduzent Max (Robert De Niro, r.) den alten Westerncowboy Duke Montana (Tommy Lee Jones) an.

(Foto: picture alliance/dpa/Telepool)

Robert De Niro und Tommy Lee Jones träumen in "Kings of Hollywood" vom großen Comeback - und retten die Reinheit des Kinos.

Von Fritz Göttler

Der Film spielt 1974, in Los Angeles und Lone Pine, wo damals für viele Filme Außenaufnahmen gedreht wurden. Zu der Zeit hat John Wayne noch gelebt und stand noch für ein paar Filme vor der Kamera. Mit Wayne hatte auch der alte Butterscotch einige Filme gemacht, einer der altgedienten Helden des Westernkinos, und wenn er anfängt uns vorzuzählen, wie viele das waren, legt er voll los und hört mit dem Scharren nicht mehr auf. Butterscotch ist ein cleveres Cowboy-Pferd, und er hat ein paar wilde Sachen drauf, man muss nur bestimmte Stichwörter vorsagen wie Rakete oder Rhabarber.

Auf Butterscotch verlässt sich auch der Filmproduzent Max Barber, gespielt von Robert De Niro, um sich nach seinem letzten Misserfolg wieder hochzurappeln. Die Millionen, die er nämlich dafür von Reggie Fontaine vorgeschossen bekam, will der nun wieder zurück. Reggie, gespielt von Morgan Freeman, ist bei einer mafiaartigen Organisation und er ist - eher ein Handicap in diesem Metier - ein absoluter Filmfan. Also hat er ein paar cineastische Möglichkeiten parat, um zahlungsunwillige Geschäftspartner abzuservieren: eine Bombe im Kofferraum, wie es der junge Mexikaner in "Touch of Evil" praktiziert, die Messerattacke von "Psycho" oder Tommy Udo, der fiese Killer in "Kiss of Death", verkörpert von Richard Widmark, der die alte Frau im Rollstuhl die Treppe hinunterstößt.

Max Barbers letzter Film hat zwar eine lange Schlange Menschen vor das Kino gelockt, keine Besucher allerdings, sondern erzürnte religiöse Protestler, der Titel war "Killer Nuns". Fürs schnelle Geld taugt das Kino in den Siebzigern nicht mehr, also probieren es Max und sein Partner-Neffe Walter (Zach Braff) mit Versicherungsbetrug. Sie heuern für ein Pseudo-Westernprojekt den alten Westerncowboy Duke Montana (Tommy Lee Jones) an, der immer noch seine Stunts selber macht - sobald er dabei einen tödlichen Unfall erleidet, wird die Versicherung Millionen zahlen. Butterscotch mit seinen Stichwörtern ist eine wichtige Rolle zugedacht, und einer angesägten Hängebrücke über eine Schlucht.

Der Film ist wie eine riesige Wunscherfüllung, das Kino als Traum

Morgan Freeman spielt hier die Rolle, die bei Martin Scorsese Joe Pesci oder Ray Liotta hatten, und von allen Figuren, die er für Scorsese spielte, erinnert De Niro vor allem an Rupert Pupkin, den sehr bemühten, aber wenig erfolgreichen Stand-up-Comedian in "King of Comedy". Das Zauberhafte an George Grillos Film, der im Original "The Comeback Trail" heißt, ist, wie er De Niros enervierende Manierismen wegspült, bis Max schließlich in eigenartiger Reinheit dasteht, ohne schmutzig-zynische Flecken: "Ich lüge nicht ... nun ja, ein bisschen ... Ich bin halt ein hustler, bin ein Produzent." Alte weiße Männer sind ja gar nicht so, und auch alte schwarze Männer nicht.

Kings of Hollywood

Auch wenn es selbst eine Trickserei ist, ist im Westernprojekt von Max Barber alles nochmal rein physisch, wie früher.

(Foto: Telepool)

Der Film ist wie eine riesige Wunscherfüllung, das Kino als Traum ... Noch einmal einen Film drehen in den Bergen von Lone Pine. Eine junge blonde Frau führt Regie, alles ist rein physisch, ohne Tricksereien. Als Max und Walter ihren Star suchen in einem Schauspieler-Altenheim, wackeln die Veteranen, sobald sie das mitkriegen, heran und bieten ihre Dienste an, bedrohlich wie bei George Romero die lebenden Toten. In Duke Montanas Zimmer in diesem Heim ist die Einsamkeit zu spüren, die eine unerfüllte Liebe hervorbringt.

Nur ein letzter Wunsch wird nicht erfüllt. Zum Abschluss gibt es dann den Trailer zu den "Killer Nuns" zu sehen. Der muss tolles Trash-Kino sein, böse und kompromisslos, da würde man gern den ganzen Film sehen. Nuns with a baaaaad habit ...

The Comeback Trail, 2020 - Regie: George Grillo. Buch: G. Grillo, Josh Posner. Kamera: Lukasz Bielan. Schnitt: John M. Vitale. Musik: Aldo Shllaku. Mit: Robert De Niro, Morgan Freeman, Zach Braff, Tommy Lee Jones, Emile Hirsch, Kate Katzman. Telepool, 104 Minuten.

© SZ/khil
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