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Nachruf:Hollywood, aber nicht um jeden Preis

Die Schauspieler Kelly Preston und John Travolta

Kelly Preston mit ihrem Mann, dem Schauspieler John Travolta.

(Foto: LOIC VENANCE/AFP)

Die Schauspielerin Kelly Preston, Ehefrau von John Travolta, hielt immer einen letzten Abstand zum Filmgeschäft. Nun ist sie im Alter von 57 Jahren gestorben.

Von David Steinitz

Zwei Dollar und fünfzig Cent pro Stunde, das war die Gage, die Kelly Preston in ihren Teenagerjahren fürs Babysitten verlangte. Selbst als sie bereits Tausende Dollar pro Tag mit Werbespots verdiente, gab sie diesen Nebenjob nicht auf, weil sie den Verdacht hatte, dass so eine Hollywoodkarriere sich auch schnell als Luftnummer erweisen könnte.

Preston wurde 1962 in Honolulu, Hawaii geboren, ein Fotograf entdeckte sie als junge Frau und ermöglichte ihr erste Engagements als Model und auch ein Vorsprechen für einen Kinofilm, das sie nicht so schnell vergessen sollte.

1980 ging sie zum Casting für die Verfilmung des Romans "Die blaue Lagune", einer Robinson-Crusoe-Fantasie, die man in Hollywood mit einem dezent softpornösen Touch umzusetzen gedachte. Um vorzuführen, ob sie in der Lage waren, halbnackt über eine Insel zu hüpfen, hatte man lauter schöne junge Mädchen eingeladen. Schauspielerisches Talent: nicht erforderlich. Sie sei "zu temperamentvoll" beschied man Preston. Die Rolle ging an die offensichtlich nicht temperamentvolle Brooke Shields, und Preston hatte gelernt, dass man vielleicht nicht um jeden Preis "zum Film" wollte.

Vielleicht war es ihr später eine gewisse Genugtuung, dass kaum ein Film der Achtzigerjahre so in Grund und Boden verrissen wurde wie dieser. Der Kritiker Rob Vaux bezeichnete ihn als "Pornografie für Menschen, die zu Bücherverbrennungen gehen."

Vielleicht war es ihr aber auch tatsächlich wurscht, weil sie einfach weiter babysittete, Werbeclips drehte und ab und an im Fernsehen auftrat, bis sich 1983 doch noch ein attraktiver Kinoauftritt anbot: Der legendäre Horrorregisseur John Carpenter besetzte sie in einer Nebenrolle für seine Stephen-King-Verfilmung "Christine". Ein lustiger Zufall, denn ihrem späteren Mann, dem Schauspieler John Travolta, war ein paar Jahre zuvor ebenfalls durch eine Stephen-King-Verfilmung - "Carrie" - der Durchbruch in Hollywood gelungen.

Als Mrs. Travolta musste sie sich von vorn beweisen, sagte sie

Obwohl sie nie in die vorderste A-Liga der amerikanischen Filmindustrie vordrang, war Preston in den Achtzigern, nach "Christine", gut im Geschäft. Sie drehte vor allem Komödien wie "Mischief/Verkehrsprobleme" oder "Twins" mit dem Duo Schwarzenegger/DeVito. Auch der Boulevard hatte ein großes Interesse an ihr. Vor allem an ihrer chaotischen Beziehung zum irren Charlie Sheen, die mit einem Schuss endete, der ihren Arm traf, und von dem Sheen bis heute treuherzig beteuert, er habe ihn nicht abgegeben. Die Hochzeit mit Travolta, dem Überstar, dem Posterboy, 1991 in Paris, war ein Glücksgriff privat, für die Karriere entpuppte sie sich eher als kompliziert. "Vor unserer Ehe", sagte sie, "hatte ich keine märchenhafte Karriere. Aber ich konnte immerhin arbeiten. Danach war ich Mrs. Travolta geworden für die meisten Menschen und musste mich wieder von vorn beweisen..."

Nicht erleichtert hat diese Aufgabe vermutlich, dass sie ihrem Mann auch vor der Kamera stets die Treue hielt, zum Beispiel in seinem Herzensprojekt "Battlefield Earth" mitspielte, nach dem Romanpamphlet von L. Ron Hubbard. Einer der übelsten Hollywoodflops aller Zeiten, aber das Ehepaar Preston/Travolta bekannte sich stets offen zur Mitgliedschaft bei Scientology. Trotzdem war sie auch wieder in ein paar Hits zu sehen, in "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" zum Beispiel, an der Seite von Tom Cruise.

Am Sonntag bestätigte John Travolta auf seinem Instagram-Account den Tod seiner Frau, mit der er insgesamt 29 Jahre verheiratet war und drei Kinder bekam: "Sehr schweren Herzens muss ich euch mitteilen, dass meine schöne Frau Kelly ihren zweijährigen Kampf mit dem Brustkrebs verloren hat." Sie wurde 57 Jahre alt.

© SZ/dpa/khil
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