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Jay Z und Beyoncé auf Tour:Wie die Clintons

Jay Z, Beyoncé

Mit solchen Sachen haucht man der Ehe neuen Pfiff ein: Jay Z und Beyoncé auf ihrer gemeinsamen Tour.

(Foto: AP)

Sie will noch was, er hat schon: Jay Z und Beyoncé vollbringen auf ihrer Tour Kunststücke an Überparteilichkeit. Damit könnten die beiden mächtigen Musiker in den USA Wahlen gewinnen.

Im Stau vor dem Lincoln Tunnel wird im amerikanischen Talk Radio folgende Frage verhandelt: Who's got a dumb face and bedroom eyes? Wer hat ein dummes Gesicht und gleichzeitig einen Schlafzimmerblick? In Führung liegen Jay Leno, der Talkshow-Moderator, und Vin Diesel, der, na ja, Schauspieler; es werden im Halbminutentakt von den Anrufern neue Prominente ins Spiel gebracht, wirklich jeder, der Rang und Namen hat in den USA. Nur ein Name fällt nicht: der von Jay Z, dem Rapper. Warum eigentlich nicht? Angst? Und zwar vor Beyoncé, der Sängerin?

Was, wenn Jay Z und Beyoncé in Wirklichkeit Barack und Michelle Obama wären? Was, wenn Jay Z und Beyoncé in Wirklichkeit die Obamas SIND: das Top Power Couple, das mächtigste Ehepaar der Welt, so steht es geschrieben, wo immer man hinguckt. Und von dem Titelbild des diesjährigen Time Magazines über die einflussreichsten Menschen der Welt schaute Frau Beyoncé Carter-Knowles und nicht etwa America's First Gemüsegärtnerin oder gar deren Mann, der grau gewordene Zauderer von Washington, DC.

Vielleicht sind Jay Z und Beyoncé aber auch eher die Clintons, also noch machthungriger und vor allem reicher. Von einer Ehekrise ist außerdem die Rede, von einem Seitensprung (er), Handgreiflichkeiten im Fahrstuhl (ihre Schwester), heldenhaftem Kampf um die Rettung von Familie und Projekt (sie). Aber auch solche Geschichten haben unbedingt präsidentielles Format. Die beiden arbeiten selbstverständlich daran, das hinzukriegen. Sie fährt jetzt zur Sicherheit einfach mit auf seine Dienstreisen und er auf ihre, Ergebnis: gemeinsame Tour. Ein Eheberater ist angeblich auch immer dabei. Und wir, versteht sich.

We the Bridge-and-Tunnel People: Wir kommen mehrheitlich aus Brooklyn, durchaus auch aus den ungemütlicheren Teilen davon, wir sind über die Brücken gerollt, haben Manhattan lahmgelegt, damit da auch mal was los ist, und drücken uns jetzt durch die Röhren nach Jersey, rein in dieses schöne, reiche Land mit seinen Autobahnkreuzen, Fabriken, Industriekanälen und dem nagelneuen Metlife Stadium in East Rutherford, wo normalerweise die Giants oder die Jets spielen, immer im Wechsel, und nur heute ist es praktisch so, als wären beide gleichzeitig da, denn heute gehört der Riesenladen ganz alleine dem größten Giganten des Hip-Hop und der mächtigsten Luftdüse des R&B.

Auf dem Parkplatz bauen wir erst einmal den Hochleistungsgrill auf und legen Würste drauf, Bier und Knabberzeug ist im Kofferraum, die offenstehenden Autotüren zittern unter den Beats aus den eingebauten Lautsprechern. Sehr gut zu essen und zu trinken gibt es auch auf jedem der drei umlaufenden Ringe des Stadions. In dem Reich, das die Familie Carter-Knowles regiert, muss keiner Durst oder Hunger leiden. Cheese-Steaks, Hot Dogs, Italian Sausages, Steak Sandwiches für 15 Dollar, die extraüppig besoßte Ladung Nachos für zehn, zuckerbunte Frozen Drinks oder Biere von Bud light bis Holsten für zwölf: Es wird so unter anderem auch sichergestellt, dass Mädchen, die sich das reinschaufeln, nie die Figur von Beyoncé haben werden, und Jungen, die das zahlen müssen, nie das Bankkonto von Jay Z. Abstand halten ist nämlich nicht nur in der U-Bahn wichtig, sondern auch für die Aura.

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