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Schauspieler Jason Statham:Wer will einem wie ihm widersprechen?

Den Flügel im Hotelsaal beachtet Statham nicht, außerdem hat er sich auf den einzigen Sessel gesetzt, der das Fenster und damit den Dom im Rücken hat. Der Schauspieler, 47 Jahre alt, ist nun kaum zu unterscheiden von den Helden seiner Werke, die handkantenzackige Titel wie "Transporter", "Parker" oder "Crank" tragen, und in denen Klavier und Kirche nur interessant sind, wenn man das Erste von der Spitze des Zweiten schmeißen kann. Wobei der letzte Satz nicht richtig ist. Weil Statham ja gar kein echter Schauspieler ist. Behauptet er. Und wer will einem wie ihm widersprechen?

Statham erzählt weiter: "Das Wasser drückt in die Fahrerkabine, während ich versuche, mich aus dem Sitz zu stemmen. Aber das Wasser drückt mich zurück. Ich hatte keine Chance, vorher noch einen tiefen Luftzug zu nehmen, weißte, sonst wären ein paar Minuten unter Wasser ja kein Problem. Der Truck sinkt also in das Schwarze Meer, und das heißt nicht umsonst so, ich habe nichts gesehen. Ich denke, ich sterbe. Ich bekomme Panik, fuck."

Statham macht seine Stunts selber. Der Brite hat mit 15 die Schule verlassen und war danach Turmspringer (immerhin Zwölfter bei der WM 1992) und Straßenverkäufer. Die dabei erworbene Physis und das Straßenköterhafte haben ihn zu dem werden lassen, was er heute in einem eigentlich wegindustrialisierten Handwerk ist: der letzte Action-Held.

Die Stunt-Fortsetzung: "Es ist der komplette Albtraum. Ich versuche mich aus dem Fahrerhaus zu befreien, aber mein Waffengurt bleibt am Steuer hängen, und ich hau mir oben den Kopf an. Zu diesem Zeitpunkt habe ich überhaupt keine Luft mehr. Ich öffne reflexhaft den Mund, und ich schlucke Wasser, immer mehr Wasser. Fuck, das ist das Schlimmste überhaupt."

Er spielt nicht in Oscar-würdigen Dramen

Statham, 1998 von Guy Ritchie vom Fleck weg in dem tollen Film "Bube, Dame, König, grAS" besetzt, spielt weder in Comic-Blockbustern noch in 3-D-Epen. "Habe ich nie angeboten bekommen." Er spielt auch nicht in Oscar-würdigen Dramen. "Ich habe nie davon geträumt, einmal wie Daniel Day-Lewis zu werden und dafür Preise zu gewinnen", sagt er. "Ich werde nie die Sachen machen können, die er macht. Aber, auch wenn ich mir sicher bin, dass ihm das egal ist: Er wird auch nie die Sachen machen können, die ich mache."

Seine Sachen, das sind Raufen und Stänkern, Gasgeben und Anlaufnehmen. Filme, in denen Männer noch auf Zahnstochern kauen, einfach so; in denen Statham sich einer unter dem Auto befestigten Bombe entledigt, indem er eine Rampe hochbrettert und den Sprengsatz im Flug an einem Kran abstreift.

Parodienahe Streifen, in denen er als Priester verkleidet zu einem überraschten Gegner "Hiermit erkläre ich Euch zu Mann und Messer" sagt, um ihn anschließend abzustechen. Richtige Action-Filme - die heute als falsch gelten.

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