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Im Kino: Wenn Liebe so einfach wäre:Seitensprünge für Senioren

Meryl Streeps hängendes Lid und Alec Baldwins Bäuchlein: Die beiden alternden Schauspieler sind Protagonisten einer Liebeskomödie der besonderen Art.

Fritz Göttler

"Home sweet home", brummt der Mann und packt, ein bisschen abwesend, angenehm erinnerungsselig, zu. Er greift seiner Frau, mit der er eben Sex hatte, zwischen die Beine - der Ex-Ehefrau genauer gesagt, vor zehn Jahren haben sie sich scheiden lassen.

Streep, Baldwin

Frisch verliebt! Meryl Streep und Alec Baldwin.

(Foto: Foto: Universal)

Dann hat er sie auf Partys und Familienfesten wieder gesehen, nun ahnt er, dass er mit der neuen Frau - die jünger, athletischer, resoluter ist - wohl einen Fehlgriff getan hat. Das mit dem Griff zwischen die Beine geht natürlich doch zu weit - aber generell genießt die Ex, dass sie in dem merkwürdigen Liebesdreieck nun "die andere", die Verführerin spielen darf. Ich bin wohl so etwas wie eine Schlampe, erkennt sie, als sie von all dem ihrer Freundinnenrunde Bericht erstattet.

Jane und Jake, Meryl Streep und Alec Baldwin als Protagonisten einer Liebeskomödie der besonderen Art - Senioren-sophistication gewissermaßen!

Sie ist ein wenig besorgt, weil das Lid etwas runterhängt, er schiebt, als sich die beiden fürs Bett vorbereiten, ein wenig geniert die nackte Wampe ins Bild. In früheren Filmen - "Was Frauen wollen" und "Was das Herz begehrt" - hat die Regisseurin/Drehbuchautorin Nancy Meyers ähnliche Offenbarungen Mel Gibson und Jack Nicholson abverlangt und Riesenerfolg damit gehabt, ein völlig neues, reiferes Publikum offenbar wieder in die Kinos locken können.

Der Bauch von Baldwin passt perfekt in die Wohnlandschaft des amerikanischen Mittelstands, zwischen dicke Sessel, hochragende Vasen und großflächige Bilder. Die amerikanische Westküste - der Film spielt im bukolischen Santa Barbara - liefert jene Szenerie, wie man sie in den französischen Liebesromanen der frühen Neuzeit so plastisch ausgemalt findet.

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Streep figuriert im Gemüsegarten hinter ihrem Haus, als wär sie eine romantische Schäferin, sie leitet eine Luxuskonditorei und lässt die Liebe ihrer Männer durch den Magen gehen, mit Schokocroissant und Croque-Monsieur. Isst du denn nie bei euch, fragt Jane Jake, der gierig durch ihre Küche schleicht. Wieso gehst du denn mit dem Handy ins Bad, fragt zu Hause seine neue Frau. Nancy Meyers liefert eine etwas grobe, aufgemotzte Version jener Liebesspiele, die in Frankreich jahrzehntelang Eric Rohmer sehr subtil betrieben hat: Qui a deux femmes perd son âme, qui a deux maisons perd sa raison ... Wer zwei Frauen hat, verliert seine Seele, wer zwei Häuser hat, verliert den Verstand.

Ihr ohnehin geräumiges Haus vergrößern will auch Jane, und so kommt ein zweiter Mann ins Spiel, ihr Architekt, verkörpert von Steve Martin mit traumwandlerischer, manchmal fast schon schläfriger Eleganz. Zum endgültigen Beweis der Beziehung zwischen ihm und Jane hat er zwei Karten erworben für ein französisches Filmfestival. Jake ist närrisch eifersüchtig und wird darüber selbst zum Hampelmann, zum nächtlichen Fenstergucker. Lüstern und verstohlen schleichen sie beim Seitensprung in New York durch die Hotelhalle, besteigen den Lift und fallen, noch bevor die Türen sich geschlossen haben, über einander her. Das höchste der Gefühle für die Senioren, sagt der Film, ist es, kindischer zu werden als ihre Kinder. Ihre alten Geschichten wiederholen sich, definitiv als Farce.

IT'S COMPLICATED, USA 2009 - Regie, Buch: Nancy Meyers . Kamera: John Toll. Schnitt: Joe Hutshing, David Moritz. Musik: Hans Zimmer. Mit: Meryl Streep, Steve Martin, Alec Baldwin, John Krasinski, Caithlin Fitzgerald, Zoe Kazan, Hunter Parrish, Rita Wilson, Mary Kay Place. Universal, 115 Minuten.

© SZ vom 21.01.2010/segi
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