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Im Kino: Pippa Lee:Ein ganz ruhiger Nervenzusammenbruch

Pippa Lee hat ihr Leben so exquisit in Form gebracht hat wie das Abendessen, das sie serviert - meint sie. Ein Film über den amerikanischen Traum mit Robin Wright, Keanu Reeves und Winona Ryder.

Es war als Lob gedacht, eigentlich, für eine ungewöhnliche Frau: Pippa Lee, das ist ein Rätsel, ein Geheimnis, ein Enigma ... Ein Toast auf die Gastgeberin, an einem geselligen Abend im Haus der Familie Lee, ausgebracht von einem ihrer guten Freunde, ein Toast auf die amerikanische Frau an sich, die Mittelstands-, die Suburb-Frau, die ihr Leben so exquisit in Form gebracht hat wie das Abendessen, das sie serviert, Lammschmetterling und Creme brulée. Aber Pippa Lee sagt: Ich will kein Enigma sein, ich will, dass man weiß wer ich bin, was mein Leben ist, mein Glück. I want to be known.

Im Kino: Winona Ryder

Die Schöne mit dem Tick

Pippa Lee, so nennen wir nicht unbedingt eine Frau in den besten Jahren, das klingt doch eher nach einer Spielpuppe, einer Spielwerkfigur, wie man sie kennt aus den Erzählungen der europäischen Romantik, ein apartes Wesen, aber ohne eigenen Willen, ohne eigene Dynamik.

Eines Morgens entdecken die Lees, dass in der Nacht ihr Kühlschrank hemmungslos geplündert wurde, und als sie eine Kamera installieren, um den Täter zu überführen, muss Pippa entdecken, dass sie selbst, ohne es zu wissen, der Gierhals war. I want to be known ... Von nun an geht sie mit der absonderlichen Ahnung durchs Leben, einen "very quiet nervous breakdown" zu haben, ein Gefühl, das eher irritierend und aufregend ist als erschreckend.

Bohemiges Seniorenkaff

Rebecca Miller ist die Tochter des Dramatikers Arthur Miller und die Frau des Schauspielers Daniel Day-Lewis. "Pippa Lee" ist ihr vierter Film, nach einem Roman, den sie einige Jahre zuvor geschrieben hatte. Zu den Frauen, die um Pippa Lee herum gruppiert sind, gehören Maria Bello - Pippas amphetaminsüchtige, durchgeknallte Mutter - und Winona Ryder, ihre, nun ja, gute Freundin - und Julianne Moore, die Pippa wirklich ganz ungewöhnlich findet und ihr, in einer fidelen Sadomaso-Nummer, mal ein wenig Spaß bereitet in ihrem Leben.

Alan Arkin ist ihr Ehemann Hank, ein abschreckendes Produkt der freien Sechziger, dreißig Jahre älter als sie und sehr viel lebenslustiger, der sich nun aus New York zurückgezogen hat in das bohemige Seniorenkaff in Connecticut, und Keanu Reeves ist ihr Erlöser, ein Junge aus der Nachbarschaft, der, vom Leben verstört, sich ins Haus seiner Mutter zurückgezogen hat. Das Grün in seinem Kinderzimmer wird Sie in ihre Träume verfolgen! Es ist seine Unscheinbarkeit, die den amerikanischen Traum so unberechenbar und nervig macht, Keanu Reeves ist so enigmatisch nett in diesem Film, wie es Anthony Perkins war bei Hitchcock.

Die blonde Pippa Lee wird von Robin Wright Penn - inzwischen, nach der Trennung von Sean, nur noch: Robin Wright - als die Fragilität an sich gespielt, und wie sie kurz mit den Mundwinkeln zuckt in ihrer Hilflosigkeit, das ist absolut hinreißend. Oh Jesus, sie löst die Familie auf und bewegt sich zielstrebig auf eine neue Unabhängigkeit zu, in eine frohgemute Regression. Ein Aufbruch ins Unbekannte, wo dann kein Platz mehr ist für Rätsel und Mysterien.

THE PRIVATE LIVES OF PIPPA LEE, USA 2009 - Regie, Buch: Rebecca Miller. Nach ihrem gleichnamigen Roman. Kamera: Declan Quinn. Schnitt: Sabine Hoffmann. Mit: Robin Wright Penn, Blake Lively, Alan Arkin, Keanu Reeves, Maria Bello, Monica Bellucci, Winona Ryder, Julianne Moore, Mike Binder, Zoe Kazan, Cornel West. Senator, 98 Minuten.

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