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Raubkunst:"Mahnmal der Schrecken"

Das Luf-Boot soll auch weiterhin im Humboldt-Forum gezeigt werden, erklären die Verantwortlichen in ersten Reaktionen auf das neue Buch von Götz Aly.

Von Jörg Häntzschel

Das Luf-Boot im Berliner Ethnologischen Museum.

(Foto: SMB)

Der Historiker Götz Aly erzählt in seinem am Montag erschienen Buch "Das Prachtboot" die erschreckende Geschichte eines der spektakulärsten Objekte, das im Humboldt-Forum gezeigt werden wird: des "Luf-Boots", das, so Aly, 1903 in der damaligen Kolonie Deutsch-Guinea geraubt wurde. Bisher hatte Hermann Parzinger, der als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) verantwortlich ist für die Ausstellung des Ethnologischen Museums, stets erklärt, das Boot sei "erworben" worden.

In einer ersten Reaktion erklärte eine Sprecherin der SPK gegenüber der SZ, man werde das Boot weiterhin zeigen - nur jetzt als "Mahnmal der Schrecken der deutschen Kolonialzeit". Auf die Herkunft des Boots und die Strafexpedition, in deren Zuge etwa die Hälfte der Bewohner getötet wurde, soll in der Ausstellung eingegangen werden.

Der Generalintendant des Humboldt-Forums, Hartmut Dorgerloh, äußerte sich ausweichend auf die Frage, wie ein Exponat, das auf diese Weise nach Deutschland kam, Teil einer Institution sein kann, deren Ziel kultureller Dialog und Verständigung ist. Er bezeichnete Alys Buch als "informativen und wertvollen Beitrag zur bislang zu wenig beachteten Geschichte des deutschen Kolonialismus in Ozeanien". Es werfe "wichtige Fragen auf: nicht nur zur Herkunft des Luf-Bootes (...) sowie zu dessen kolonialem Kontext, sondern auch zur Geschichte der Ethnologie". Genau diese Fragen sollen, so Dorgerloh, im Humboldt-Forum diskutiert werden.

Ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters schrieb, diese habe keinen Grund, am verantwortungsvollen Umgang der Museen "mit sensiblen Kulturgütern", zu zweifeln. "Sie erwartet daher selbstverständlich auch in Bezug auf das Luf-Boot im Humboldt-Forum und anderer aus dieser Region stammender Objekte (...) Transparenz über deren Herkunft und bei deren musealer Präsentation."

© SZ/tyc
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